Ich erstaune meine Freunde über die rasche Veränderung, über diese glückliche Epochen, über den seligen Frieden, der wie ein Zephyr um mich hauchet, über alle glückliche Fügungen, mit so wenigen Kräften, so ohne Blutvergiessen, so ohne Zubereitung, so hastig seh ich mein theures Vaterland aus den Klauen blutgieriger Tyger, und aus dem Rachen des Verderbens gerissen! Ich begreife kaum diesen plözlichen Sturz der Tyrannen; ist es nicht ein sichtbares Wunder der weisen Vorsicht? fühlet Ihr nicht selbst mit innerlicher Ueberzeugung die mitwirkende Hand der Gottheit, welche diese fromme Stadt vorzüglich beschützet? —— Es geht mit reifen Verbrechern, wie bey verzweifelnden Kranken. Alles ist verwirrt; die Aerzte selbsten werden mit Blindheit gestraft; so entschliefen die sichern Despoten, sie hörten die Donner über ihren Häuptern rollen; sie sahen die Blitze, und sie wurden ohne Rettung wie zerbrochene Geisseln des bedrängten Volkes in die Flamme geschleudert! —— Diese herrliche Stadt, euer Leben, eure Güter, eure Weiber, eure Töchter, eure Söhne sind durch den allmächtigen Beystand des Himmels, durch die weisen Anschläge wahrer Patrioten, und durch die thätige Mitwirkung edler Bürger dem nahen Verderben entrissen, und in den blühendsten Zustand versetzt, das ist der Tag unserer Wiedergeburt! Ihr Freygebohrnen lebet auf; theuer und heilig sey Euch ewig der Tag eurer Erhaltung.
Aber wenn etwa in einem dunklen Winkel hämische Feinde über den Verlust ihrer Ketten seufzten, oder es wagten mit giftiger Zunge mich niederer Absichten anzuklagen; es würde mich schmerzen, mein Herz würde bluten; aber ich würde sie nicht hassen, sondern ihre Blindheit beweinen. Kommt her ihr Zweifler, würde ich ihnen sagen, betrachtet dieses graue Haupt! Es sehnet sich nach Ruhe; sehet diese Brust voll Narben! Sie hat sich oft den gerüsteten Dolchen eurer Feinde entgegengestemmet; der müde lebenssatte Greis seufzt nach seinem Grabe, und wünscht nichts in die kühle Erde mit sich zu tragen als den süssen Trost, meine Brüder beglückt zu sehen, und mein Vaterland zu befreyen! — Ja, meine ewiggeliebten Brüder, ich bin ehrgeizig, ich fodre von Euch einen Dank, eine schöne Erkenntlichkeit! —— Wenn ihr einst meinem Grabhügel begegnet, wenn Euch die Ringelblume zuwinkt; so zaudert, und ruft euren Söhnen: Hier ruht Lusian unser Bruder, der uns und sein Vaterland liebte —— Und dann schenkt mir eine brüderliche Thräne ——
(Das Schluchzen hemmt die Worte des Redners; er trocknet seine Augen. Indeß weinen die Mütter, und die Bürger jauchzen.)
Alle. Es lebe der Patriot! Freyheit! Das Vaterland ist frey!
Scene.
(Eine gebirgichte Waldgegend. Eine Zigeunerbande bereitet ihr Lager. Die ältern Weiber und Männer sind mit verschiedenen häuslichen Verrichtungen beschäftiget. Einige bereiten die Zelter; andre kochen und braten. Die jungen Burschen und Mädchen singen und tanzen; andere spielen mit ihren Instrumenten. Eduard mit seinem Jagdgefolge erscheint. Die Zigeuner begrüssen ihn. Didia ein artiges Zigeunermächen erscheinet an der Spitze.)
Edu. Welche Fröhlichkeit herrscht unter diesem armen Volke! —— Wie heissest du junges Mädchen?
Didia. Mein Vater gab mir den Namen Didia. Ich will Dir weissagen aus deinen Gesichtszügen, aus deiner Hand, und aus deinen Träumen.
Edu. Verstehst du auch den Sinn der Träume? —— Du erinnerst mich auf einen seltnen Morgentraum, er ist wunderbar. Hör: