Alidia stand lang versteinert. Sie sah sich verlassen, verschmäht. Ihr weiblicher Stolz war beleidiget, und sie beschloß sich blutig zu rächen. Ich will dich stürzen, hochmüthiger Jüngling, rief sie, ja du sollst kriechen kleiner Wurm, du sollst dich schmiegen Sklave! Du bist unwürdig einer Krone, unwürdig meines Herzens! Ich hasse dich und deinen Kronensüchtigen Onkel; aber ich will der alten Schlange schmäucheln um die junge Natter zu verderben! Süsse Rache kocht in meinem Busen! So donnerte sie, und eilte in den Pallast alle Triebfedern in Bewegung zu setzen, um ihre beleidigte Liebe zu rächen.

Die Gelegenheit ereignete sich bald. Theodor ein kriegerischer Prinz wollte den Tod seines Bruders Willhelm rächen, und sammelte in Eile ein mächtiges Heer. Er überraschte seine Feinde in einer Sicherheit, welche meistens die Frucht eines guten Erfolges ist. Eduard eilte seinem Feinde entgegen, und es kam zur Schlacht. Theodor hatte als ein Meister der Kriegeskunst seinem Heere eine so glückliche Stellung gegeben, welche alle gewaltsamen Versuche Eduards vereitelte. Die Vereinigung der Glieder war so unzertrennlich, daß alle Angriffe der tapfersten Geschwader vernichtet wurden. Reuter und Fußknechte fielen. Eduard war in äusserster Verlegenheit. Er sah seine schönste Mannschaft und den Kern seines Heeres zu Schanden gehauen, und das feindliche Heer stand siegreich und unerschüttert auf der blutigen Wahlstatt. Die Lage des Ortes, und der feste Bau des ganzen Körpers war seinen Feinden vortheilhaft. In diesen verzweifelten Umständen näherte sich ihm ehrerbietig Sigismund. Es ist noch ein Mittel, sprach er, die Schlacht zu gewinnen, lassen Eure Majestät eilends das schwere Geschütze gegen diesen unzertrennlichen Kloß des feindlichen Heeres richten, und von allen Seiten zugleich mit neuen Geschwadern die Feinde muthig bestürmen. Der König erkannte die Wahrheit. Sigismund flog, und in wenigen Minuten scheiterte die feindliche Maschine. Sie fielen zu tausenden. Alles wurde getrennt, getödtet und in die Flucht geschlagen. Alles pries die tiefe Einsicht des jungen Helden.

Dieser günstigen Gelegenheit bemeisterte sich die listige Alidia; der junge Adler, rief sie, überholet bereits den alten Löwen! War nicht so der weissagende Traum meines geliebten Eduards? In der That das Zigeunermädchen ist eine Prophetinn! Ich irre nicht, die Zeit reifet. Du staunest mein edler König? Ich eröfne dir mein ganzes Herz. Es ist meine Pflicht für die Sicherheit deiner Tage zu wachen. Sigismund strebt nach der Krone. Bemerke wohl sein Betragen; sieh, wie er den Kriegern schmäuchelt; wie er den Bürgern liebkoset; sich vor Knechten liebreich verneiget, alle Herzen gewinnet, und durch seine glänzenden Thaten alle Augen erschüttert! Alles spricht nur von ihm; von dir schweigt alles! Schläfst du mein Eduard? Ueberlässest du so ruhig deine Kronen, deine theuererkauften Lorbeern dem dreisten Jüngling?

Das Gift wirkte in dem Herzen des ehrgeizigen Königs. Er hatte schon oft einige Regungen der Eifersucht gefühlt. Der Ehrgeiz verträgt keinen Nebenbuhler. Sigismund ward gehaßt. Er fiel plötzlich in Ungnade, ward kalt am Hofe empfangen, des Vertrauens und aller Würden allmählich beraubt, und der Dank für seine rühmlich geleisteten Dienste war, daß er vergessen wurde. So untergrub ein rachsüchtiges Weib sein aufblühendes Glück.

Brief.
Lusian an Piron.

Wir sehen uns! Ja Herzensbruder, wir sehen uns bald! Ich verlasse den Hof, denn was soll ich hier machen mit meinen strengen Begriffen von Tugend, Ehre, Redlichkeit? Eduards neue Politik verträgt sich mit meinen alten Grundsätzen nicht. Wir sind keine Krieger mehr, die das Vaterland beschützen, wir sind Menschenmetzger geworden. Wir gehn alle Gemeinplätze der grausamen Eroberer. Wir rauben, morden, brennen, machen Wittwen und Waisen, verwüsten Städte und Länder, und sind am Ende so hungrig, als wenn wir keine Königreiche verschlungen hätten. L’appetit vient en mangeant! Meiner Seele! Der Franzos hat ein weises Sprichwort. Ich will dir unsere traurige Lage schildern.

Satyre.

Wie viel Narren von Aufgang und Narren von Niedergang seh ich;

Wie soll ich Myriaden berechnen? Ich bleibe bey Hofe.

Nur ein Häufchen der glänzendsten Thoren will ich bemerken,