Er liebte zärtlich sein Volk, und unterschied den Bürger weislich vom Fremdling; dadurch pflanzte er die Liebe zum Vaterland in alle Herzen. Ein Land, das seine Kinder geringschäzt, wird von ihnen verachtet, und verlassen. Das Glück seines Volks war sein reichster Segen. Er liebte nicht Leibwachen, und wandelte frey unter seinen Söhnen. Seine Rathschlüsse waren meistens bekannt, er ließ seine Unterthanen alle Plane und guten Absichten wissen, und sagte: Ich liebe keine schädlichen Neuerungen, und habe kein Staatsgeheimniß. Ein wohlgeordnetes Heer von treuen Landeskindern, und der Reichthum meiner Bürger ist meine Politik! Sklaven fechten nur aus Zwang für Ketten und Gefängniß, freye Bürger, die ihr Vaterland lieben, sind die Stützen eines gerechten Thrones.

Er handhabte mit Standhaftigkeit die Gesetze, die alle nur zum Wohl der Länder abzielten, wenig, einfach, und verständlich waren. Oft weinte er, wenn er ein Urtheil unterschrieb, und er milderte gern die Strenge. Er strafte kühne bundbrüchige Nachbarn: er beschränkte den Ehrgeiz habsüchtiger Könige; er kam unterdrückten Freunden zu Hülfe; er schonte, wo er Langmuth zeigen konnte; er wog das Blut auf der Goldwage, und zog nur gezwungen das Schwert. Die Feinde fürchteten seine Gerechtigkeit. Er hungerte nie nach fremden Gütern. Wurden feindliche Schiffe auch in Kriegszeiten durch Stürme an seine Gestade geworfen; so gab er großmüthig Befehl, sie frey zu lassen, und ihnen alle Bedürfnisse zu reichen, weil er sich keines Ungefährs zum Vortheil bedienen wollte. Dies machte ihn zum Mittler und Schiedsrichter aller Nazionen, die seine Gemüthsbilligkeit kannten.

In seinem Pallast hatte jeder freyen Zutritt. Lasset das Volk herein, rief er oft den Wachen zu: ich bin nicht König für mich, sondern für sie! Er strafte freche Zungen. Es sind nur Worte, sagte einst dreist ein Höfling, und Worte sind keine Pfeile! Desto ärger, rief Eduard! Pfeile durchdringen nur den Körper; aber Worte verwunden die Seele und das Herz! Die Verschwender waren nie seine Lieblinge. Ein verschuldeter Edelmann lud ihn auf einer Reise zu Gast. So müssen wir eilen, meine Freunde, sprach Eduard zu seinem Gefolge, sonst kommen wir zu spät. Da er in das Haus des Verschwenders trat, fragte er, wem gehört dieser Pallast? Dir mein Wirth? Wenn es wahr ist; so wünsche ich dir Glück!

Eduard war gütig, leutselig, sanft und uneigennützig. Jeder Tag wurde durch edle Handlungen bezeichnet, und wie eine Meile gepflegtes Land mehr ist, als eine Wüsteney von hundert Parasangen; so ist ein Blatt seiner Geschichte wichtiger, als ganze Bände unfruchtbarer Jahrbücher, die der Nachwelt nichts weiter sagen, als daß viele Könige Thoren gewesen sind.

Brief.
Lusian an seinen Freund.

Bruder, wir haben Krieg. Unser Eduard beginnt seine Regierung damit, daß er von seinen wilden Nachbarn die Länder zurückfodert, die sie unter der schlafsüchtigen Herrschaft der wollüstigen Emilie gewaltsam an sich rissen. Die feindlichen Könige hören mit Verachtung seine gerechten Foderungen, behandeln ihn wie einen unweisen Jüngling, verspotten dreist seine Gesandten, und senden ihm einige Kriegsgefangene schändlich verstümmelt zurück. Der Krieg ist erklärt. Wir fliegen an die feindliche Gränze, und stehen vielleicht schon auf fremder Erde, wenn unsere Feinde erst unsere Kriegserklärung lesen. Eduard ist lauter Leben und Tätigkeit. Ich folge seinen hastigen Schritten, und umarme dich in Gedanken, u. s. w.

Scene.

Eine Ebne. Eduard, Lusian, viele Krieger, hernach Ritter Piron.

Edu. Mein lieber Lusian, unsere Geschwader werden durch Freywillige bevölkert, die sich von allen Seiten zu unserer Fahne drängen.

Lus. Ich finde wackere Leute darunter. Betrachten Eure Majestät nur jene muntere Jugend von Edelleuten, es ist lauter Feuer und Seele in ihnen! Man muß sie mit gedienten Leuten vermischen.