»Warum?«

»Weil du dann nicht mehr du sein würdest, und da du nicht bist, die du bist, oder für die ich dich wenigstens halte, da mach' ich mir den Teufel was daraus, ob dich alle Dämonen holen.«

»Aber was würdest du in einem solchen Falle thun?«

»Ich? Hm, hör 'mal, das weiß ich nicht... denn, da ich dann ein anderer sein würde, als ich jetzt bin, so kann ich mir nicht vorstellen, was ich dann wohl denken würde.«

»Und warum würdest du ein anderer sein?«

»Weil ich jetzt ein Mann bin, der an dich glaubt wie an sich selbst, und dessen ganzes Leben nur dieser Glaube ist. Folglich, wenn ich nicht mehr an dich glauben würde, so würde ich sterben oder mich in einen neuen Menschen verwandeln, auf eine andere Art und Weise leben. Mir würde es vorkommen, wie wenn ich eben erst geboren wäre, und ich würde andere Gefühle hegen. Ich weiß nicht, was ich dann mit dir thun würde... Vielleicht würde ich lachen und dir den Rücken wenden... Vielleicht würde ich dich nicht kennen... Vielleicht... Aber geh doch, was für einen Gefallen können wir daran finden, uns unnötig in üble Laune zu versetzen. Was geht das uns an, wenn dich alle Corregidoren der Welt lieben? Bist du nicht meine Frasquita?«

»Ja, du alter Barbar!« antwortete die Seña Frasquita, aus vollem Halse lachend. »Ich bin deine Frasquita, und du bist mein Herzens-Lucas, der häßlicher ist als ein Pavian, der mehr Talent hat als alle übrigen Männer, der besser ist als das Brot, und den ich mehr liebe... Na, steige nur erst von dem Spalier herunter, dann wirst du schon sehen, was das »lieben« heißt!... Bereite dich nur vor, so viel Ohrfeigen zu bekommen und so viel gekniffen zu werden, wie du Haare auf dem Kopfe hast... Aber still, was sehe ich! Der Herr Corregidor kommt ganz allein hierher... Und so früh... Der hat einen Plan.«

»Dann nimm dich ein wenig zusammen und sage ihm nicht, daß ich hier oben bin. Er kommt gewiß, um mit dir allein eine Erklärung zu haben, denn er nimmt an, daß ich meine Siesta halte. Ich will mich amüsieren, indem ich seine Erklärung mit anhöre.«

So sprach Tio Lucas und reichte seiner Frau den Korb hinunter.

»Das ist kein übler Gedanke,« rief sie und brach von neuem in ein Gelächter aus. »Dieser Teufel von einem Madrileñer! Was glaubt der denn, was mir ein Corregidor gilt? Aber, da kommt er. Garduña, der ihm in einiger Entfernung folgte, hat sich im Graben in den Schatten gesetzt... Wie albern! Verstecke dich gut hinter dem Weinlaub, denn wir werden mehr lachen, als du dir vielleicht einbildest.«