»Hier sind auch Ew. Hochwürden Erstlinge!« sagte der Corregidor, indem er eine Traube aus den Händen der Müllerin nahm und sie dem Bischof höflich anbot. »Noch habe ich die Trauben nicht gekostet.«
Der Corregidor sprach diese Worte aus, indem er einen schnellen, lüsternen Blick auf die strahlende Schönheit der Müllerin warf.
»Hoffentlich doch nicht, weil sie zu sauer sind, wie die in der Fabel,« bemerkte der Akademiker.
»Die in der Fabel,« versetzte der Bischof, »waren nicht sauer, Herr Licenziat, sondern außer dem Bereich des Fuchses.«
Keiner von beiden hatte eine Anspielung auf den Corregidor damit bezweckt; aber die Aussprüche paßten so genau auf das, was soeben vorgefallen war, daß der Corregidor Don Eugenio de Zuñiga blaß vor Zorn wurde und, den Ring des Prälaten küssend, sagte:
»Dann wäre ich also der Fuchs, Hochwürden.«
»Tu dixisti« (Du sagst es), erwiderte dieser mit der leutseligen Strenge eines Heiligen, der er auch gewesen sein soll. »Excusatio non petita, accusatio manifesta — Qualis vir, talis oratio. — Aber satis jam dictum, nullus ultra sit sermo. Oder, was dasselbe ist: Lassen wir jetzt das Latein und bekümmern wir uns um diese famosen Trauben.« Und er pflückte eine einzige Beere von der Traube, welche ihm der Corregidor anbot. »Sie sind sehr gut,« rief er aus und hielt sie gegen das Licht; dann reichte er sie seinem Sekretär. »Nur schade, daß sie mir nicht gut bekommen.«
Der Sekretär betrachtete die Traube auch, nahm eine Miene höflicher Bewunderung an und übergab sie einem der Hausgenossen.
Der Famulus wiederholte die Handlung des Bischofs und die Miene des Sekretärs, ja, ging sogar so weit, an der Weintraube zu riechen, und dann legte er sie mit der skrupulösesten Sorgfalt in den Korb zurück und sagte mit leiser Stimme zu den Umstehenden: