Ein erneutes diabolisches Lächeln verzerrte das Gesicht des Müllers.

Fast konnte man meinen, er fühle sich wieder glücklich.

»Jetzt bin ich im Besitz der Wahrheit,« murmelte er und richtete sich ruhig auf. Dann stieg er ebenso leise und tastend, wie er die Treppe hinaufgestiegen war, dieselbe hinunter.

»Die Angelegenheit ist sehr delikat... Ich muß noch überlegen. Ich habe noch zu allem Zeit,« überlegte er, während er hinunterschlich.

Als er wieder in der Küche angekommen war, setzte er sich inmitten derselben nieder und verbarg das Gesicht in den Händen. So blieb er lange Zeit sitzen, bis ein leichter Schlag, den er auf einem Fuße fühlte, ihn aus seinem Nachdenken aufschreckte.

Es war die Donnerbüchse, die an seinen Knien heruntergeglitten war und ihm dieses Zeichen machte.

»Nein, ich sage dir, nein,« murmelte Tio Lucas und blickte auf die Waffe. »Du bist nicht das, was ich gebrauche. Alle Welt würde Mitleid mit ihnen haben, und mich würden sie aufhängen. Es handelt sich ja um einen Corregidor, und einen Corregidor zu töten ist in Spanien noch eine unverzeihliche Sache; sie würden sagen, ich hätte ihn aus unbegründeter Eifersucht getötet und dann ausgezogen und ins Bett gelegt. Sie würden weiter sagen, daß ich meine Frau auf den einfachen Verdacht hin getötet hätte. Und mich würden sie aufhängen. Und ob sie mich nicht aufhängen würden. Übrigens hätte ich wenig Beweise von Herz und Verstand gegeben, wenn ich an meinem Lebensende bemitleidet werden müßte. Alle würden über mich lachen! Sie würden sagen, daß mein Unglück ganz natürlich wäre, weil ich buckelig und Frasquita so schön war. — Nichts, nein, Rache brauche ich, und nachdem ich mich gerächt habe, will ich triumphieren, verachten, lachen, viel lachen, über alle lachen, und so vermeide ich, daß man über diesen Buckel spotten kann, den man jetzt fast beneidet und der am Galgen so grotesk sein würde.«

So sprach und überlegte Tio Lucas, ohne sich vielleicht genau Rechenschaft darüber abzulegen, und kraft dieser Rede stellte er die Büchse an ihren Ort und fing an, mit auf dem Rücken verschränkten Armen und gesenktem Haupte auf und ab zu gehen, wie wenn er seine Rache auf dem Fußboden, in der Erde, unter den Trümmern seines Lebensglückes in einer lächerlichen, vulgären Kriegslust suchte, die seine Frau und den Corregidor dem Gelächter preisgeben sollte. Er suchte die Rache nicht in der Gerechtigkeit, in der Verzeihung, im Himmel, wie ein anderer Mann es an seiner Stelle gethan hätte, dessen Temperament sich weniger als das seine gegen alle Forderungen der Natur, der Gesellschaft und seiner eigenen Gefühle aufgelehnt hätte.

Plötzlich blieben seine Augen auf den Kleidern des Corregidors haften. Da richtete er sich auf...