Nachdem ich nun im allgemeinen darüber gesprochen habe, wo ein Kloster passend anzulegen sei, will ich noch zeigen, wie die Lage des Ortes selbst des näheren beschaffen sein soll. Bei der Wahl des Ortes für ein Kloster ist, soweit dies irgend geschehen kann, der Rat des heiligen Benediktus zu befolgen: innerhalb des klösterlichen Bezirkes soll womöglich alles das beschlossen sein, was für ein Kloster unumgänglich notwendig ist: nämlich Garten, Brunnen, Mühle, Bäckerei mit Backofen und Räumlichkeiten, wo die Schwestern ihre täglichen Geschäfte verrichten können, so daß kein Anlaß vorhanden ist, draußen herumzuschweifen.
Wie im Kriegslager eines weltlichen Heeres, so muß auch in den Lagern des Herrn, d. h. in den klösterlichen Gemeinschaften, ein Oberhaupt sein, das den andern zu gebieten hat. Dort steht Ein Befehlshaber, dessen Wink in allem befolgt wird, an der Spitze des Ganzen. Wegen der Größe des Heeres und seiner zahlreichen Amtspflichten überträgt er einen Teil seiner Last auf andere und setzt zu diesem Zweck mehrere Unterbefehlshaber ein, welche die einzelnen Abteilungen beaufsichtigen und den Dienst überwachen. So soll es auch in den Klöstern gehalten werden: eine würdige Schwester soll die Oberaufsicht über die andern haben; nach ihrer Meinung und nach ihrem Gutdünken sollen sich die andern richten, keine soll sich unterstehen, ihr Schwierigkeiten zu machen oder gegen ihren Befehl zu murren. Denn keine menschliche Gemeinschaft, nicht einmal die kleine Genossenschaft auch nur Einer Familie kann bestehen, wenn man nicht streng auf Einigkeit hält und nicht das Regiment in der Hand eines Einzigen liegt. Darum schloß auch die Arche, das Abbild der Kirche, mit Einer Elle ab, obwohl sie deren in die Länge und Breite viele hatte. Und in den Sprüchen steht geschrieben: „Um ihrer Sünden willen hat die Erde viele Herren“. Auch nach dem Tod Alexanders vermehrte sich mit den Königen zugleich das Unheil, und in Rom hatte die Eintracht keinen Bestand, als mehrere sich in die Herrschaft teilten; daher sagt Lukanus im ersten Buch seiner Gedichte:
„Den Grund deiner Leiden
Schufst du dir selbst, o Rom, da du drei Herren gehorchtest:
Nie noch ward ein Vertrag, der die Herrschaft teilte, zum Segen.“
— — — Und einige Verse weiter unten heißt es:
„Ja, so lange die Erde das Meer, der Äther den Erdball
Trägt, und die Sonne den Lauf in weiten Bahnen vollendet,
Und den Tag ablösend die Nacht mit denselben Zeichen heraufzieht:
So lang traut von mehreren Herrn nicht einer dem andern,