Was die Fasten betrifft, so mag für die Schwestern die allgemeine kirchliche Ordnung genügen; wir wollen sie in diesem Stück nicht schwerer belasten als die gläubigen Laien auch belastet sind, und wir nehmen es nicht auf uns, von ihrer Schwäche mehr zu verlangen als von dem starken Geschlecht. Doch glauben wir, daß von der Herbst-Tagundnachtgleiche bis Ostern wegen der Kürze der Tage Eine Mahlzeit täglich genügen wird. Wir verordnen dies wegen der kurzen Dauer des Tages, nicht um zum Fasten zu veranlassen, und machen dabei in den verschiedenen Arten der Speisen keinen Unterschied.

Das Prunken mit Kleidern, das die Schrift überall verwirft, soll durchaus vermieden werden. Der Herr warnt uns ausdrücklich davor, indem er den reichen Mann derhalben tadelt und dagegen die Einfachheit des Johannes lobt. Daher der heilige Gregorius in seiner vierten Homilie über die Evangelien sagt: „Was will jenes Wort: ‚Die da reiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern‘, anders, als klar und deutlich zeigen, daß für das irdische, nicht für das himmlische Reich kämpft, wer, statt um Gottes willen zu leiden, allen Härten aus dem Wege geht und nur den Außendingen ergeben die Weichlichkeit und den Genuß dieses Lebens sucht?“ Ebenso in der elften Homilie: „Es giebt Leute, welche das Tragen von feinen kostbaren Kleidern nicht für Sünde halten. Und doch, wenn keine Schuld damit verbunden wäre, so würde der Herr in seinem Gleichnis nicht so ausdrücklich davon reden, daß der Reiche, der zur Hölle verdammt wurde, mit Purpur und Seide angethan war. Denn niemand schafft sich kostbare Gewänder an, wenn er nicht eitlen Prunk entfalten und vornehmer scheinen will als andere Leute. Nur um eitlen Prunkes willen ist man auf kostbare Gewänder aus. Der beste Beweis dafür ist der Umstand, daß niemand sich kostbar kleidet, wenn er sich nicht vor anderen sehen lassen kann“.

Auch Petrus in seinem ersten Brief warnt weltliche verheiratete Frauen vor dieser Untugend: „Desselbigengleichen sollen die Weiber ihren Männern unterthan sein, auf daß auch die, so nicht glauben an das Wort, durch der Weiber Wandel ohne Wort gewonnen werden, wenn sie ansehen euren keuschen Wandel in der Furcht. Welcher Geschmuck soll nicht auswendig sein mit Haarflechten und Goldumhängen oder Kleider anlegen, sondern der verborgene Mensch des Herzens unverrückt mit sanftem und stillem Geiste, das ist köstlich vor Gott“.

Mit Recht glaubte der Apostel, mehr die Frauen als die Männer vor dieser Eitelkeit warnen zu müssen, denn der ersteren unsteter Sinn begehrt lebhafter nach Dingen, die ihrer Üppigkeit Nahrung zuführen. Wenn aber schon weltlichen Frauen in diesem Hang Einhalt gethan wird, was wird dann denen ziemen, die sich Christo geweiht haben, deren Schmuck eben darin besteht, daß sie schmucklos sind? Darum, wer von ihnen nach solchem Schmuck trachtet und ihn nicht zurückweist, wenn er ihr angeboten wird: die verliert den Ehrentitel der Keuschheit. Von einer solchen mag man denken, sie rüste sich nicht zum Gebet, sondern zur Unzucht, sie ist nicht einer Nonne, sondern einer Dirne gleich zu achten, der ihr Schmuck zum Herold für ihre Unkeuschheit dient und ihr buhlerisches Herz verrät, wie geschrieben steht: „Denn seine Kleidung, Lachen und Gang zeigen ihn an“.

Wir lesen, daß der Herr an Johannes, wie schon erwähnt, die Dürftigkeit und Rauheit seiner Kleidung mehr lobte als die seiner Nahrung: „Was seid ihr hinausgegangen zu sehen“, sagt er, „wolltet ihr einen Menschen in reichen Kleidern sehen?“ Denn der Genuß ausgesuchter Speisen hat manchmal einen nützlichen Zweck und ist darum zu entschuldigen, was bei den Kleidern nicht der Fall ist. Je kostbarer sie sind, desto mehr muß man acht auf sie geben, desto weniger sind sie etwas nütze, desto teurer kommen sie zu stehen; je feiner der Stoff, desto empfindlicher sind sie und desto weniger Schutz gewähren sie dem Körper.

Für die ernste Tracht der Buße ist kein Stoff geeigneter als der schwarze, und kein Pelzwerk kleidet die Bräute Christi besser als das der Lämmer: so zeigen sie schon durch ihr Gewand, daß sie das Lamm, das den Jungfrauen verlobt ist, angezogen haben oder anziehen sollen.

Die Schleier sollen nicht aus Seide, sondern aus einem gefärbten Linnenstoff sein. Zwei Arten von Schleiern sind zu unterscheiden: die einen für die Jungfrauen, welche ihr Gelübde schon abgelegt, die andern für solche, die dies noch nicht gethan haben. Die Schleier der geweihten Jungfrauen sollen mit dem Kreuz gezeichnet sein. Dies Zeichen soll bedeuten, daß sie mit der Unberührtheit auch ihres Leibes ganz und gar Christo angehören, und wie sie durch ihre Weihe von den übrigen sich unterscheiden, so soll auch ihr Gewand ein besonderes Zeichen tragen, das die Gläubigen abschrecken soll, ein irdisches Verlangen nach ihnen zu tragen. Dieses Zeichen jungfräulicher Reinheit, aus weißem Faden genäht, soll die Jungfrau auf dem Haupte tragen, aber nicht eher als bis sie vom Bischof die Weihe empfangen hat: kein anderer Schleier soll dieses Zeichen tragen.

Auf dem bloßen Leib sollen die Schwestern reine Hemden tragen, und auch in denselben schlafen. Auch wollen wir in Anbetracht ihrer schwachen Natur den Gebrauch von Matratzen und Betttüchern nicht verbieten. Jede aber soll für sich schlafen und essen. Keine soll sich beschweren, wenn Kleider oder sonstige Dinge, die ihr von andern überlassen wurden, einer Schwester zugewiesen werden, die sie mehr nötig hat. Vielmehr soll sie sich darüber freuen, daß ihr die Bedürftigkeit ihrer Schwester eine Gelegenheit zum Almosen gegeben hat, und soll daran denken, daß sie nicht für sich, sondern für andere lebt. Wo nicht, so gehört sie auch nicht zu der heiligen Genossenschaft und ist schuldig des Frevels, eigenen Besitz zu haben.

Zur Bekleidung des Körpers scheint uns zu genügen ein Hemd, ein Pelz, ein Gewand, und wenn es sehr kalt ist, darüber ein Mantel. Diesen können die Schwestern beim Schlafen auch als Decke benutzen. Wegen des Ungeziefers und wegen notwendiger Reinigung sollen alle diese Kleidungsstücke doppelt gehalten werden, so wie Salomo in seinem Lob der wackeren und sorgsamen Hausfrau sagt: „Sie fürchtet ihres Hauses nicht vor dem Schnee, denn ihr ganzes Haus hat zwiefache Kleider“. Die Kleider sollen der Länge nach nicht weiter als bis zum Absatz reichen, damit kein Staub aufgewirbelt wird. Die Ärmel sollen nicht länger sein als Arm und Hand zusammen. Die Beine und Füße sollen mit Schuhen und Strümpfen bekleidet sein, und nie sollen die Schwestern barfuß gehen, auch nicht unter dem Vorwand der Frömmigkeit. Für die Betten genügt eine Matratze, ein Polster, ein Kissen, eine Decke und ein Leintuch. Auf dem Kopf sollen die Schwestern eine weiße Binde tragen, darüber einen schwarzen Schleier, und wo es nötig ist, auf der Tonsur eine Mütze aus Lammfell.

Aber nicht allein bei Nahrung und Kleidung soll alles Überflüssige gemieden werden, sondern auch an den Gebäuden und sonstigen Besitzungen. An den Gebäuden zeigt es sich deutlich, ob sie größer oder schöner angelegt sind als ihr Zweck es erfordert, oder ob wir, mit Werken der Bildhauerkunst und der Malerei sie schmückend, Königspaläste bauen, statt Hütten der Armut. „Des Menschen Sohn,“ sagt Hieronymus, „hat nicht, da er sein Haupt hinlege, und du baust weite Hallen und deckst gewaltige Häuser ein?“ Wenn wir uns teure und schöne Pferde halten, so ist das nicht bloß Überfluß, sondern eitler Übermut. Mit unsern Herden und unserm Landbesitz wächst unser Hunger nach äußerem Gut, und je mehr wir auf dieser Erde besitzen, desto mehr müssen sich unsere Gedanken damit beschäftigen und werden von der Betrachtung der himmlischen Dinge abgezogen. Und ob wir auch den Leib hinter Klostermauern verschließen, die Seele muß doch dem nachgehen, was draußen ist und was sie liebt, und zerstreut sich dahin und dorthin. Je mehr Besitztum wir verlieren können, desto größer die Furcht, die uns quält; je kostbarer der Besitz, desto mehr hängt man an ihm, desto mehr fesselt er das arme Herz an sich.