Ich weiß es nicht, ob diese bedrängten Kriegszeiten euch noch helfen können, Frauen! Ob ihr nicht durch diese feige schändliche Verwöhnung durch die Männer, die von euch irgendwie (!?) abhängig sind, schon endgültig in eurer Psyche ruiniert, verkümmert, zerrüttet seid! Aber wenn noch ein Funke „idealen Lebens“ in euch Irregeleiteten, durch Mannes Schwäche (angeblich Kraft), schlummert, so beweist es nun, indem ihr euch jegliches Unnötigen sogleich entäußert, und es erfasset, daß ihr das Glück, die Gnade der Selbstlosigkeit, die aller Religionen einzig wertvoller Kern ist, jetzt wieder erringen könnt, und, wenn auch mais un peu tard, in Betätigung umsetzen könnt! Eine richtig, zart, schmackhaft, billig gekochte, nahrhafte, leichtverdauliche Suppe ist wertvoller als alles, was ihr von Dichtern und Künstlern falsch aufgeschnappt habt! Ihr habt euch geschmückt mit den, wirklichen Geistern frech naseweis ausgerupften Federn! Ihr habt es stets ausgenützt, daß der Mann euch braucht! Aber dienen, helfen, fördern, stärken, habt ihr nicht erlernt! Sondern schwächen!!! Erlernt?! Es liegt von jeher in euch!
Der Mann hat nachgegeben, nachgegeben, immer, immer, man weiß warum! Und ihr, angeblich Zartestes in der Welt, habt das nur ausgenützt! Ungezogen, frech und unreligiös!
Ein zart und besonders zubereitetes Gemüse ist wertvoller als alle eure feigen Träumereien, für die Welt! Für den Mann vor allem, diesen Geist, diese Kraft des Lebens! Daß man euch in dieser Weltmaschine „Mann“ als Tonikum, als Belebendes, braucht, soll eure demütige sanfte Ehre sein! Nicht eure freche Überhebung! Jedes zarte Rädchen in dieser kompliziert-genialen Maschinerie „Mann“ sei sich seines Anteiles am Ganzen froh-dankbar bewußt! Aber zu sagen, zu denken, zu empfinden: etsch, wenn ich stehen bleibe und mich versage, ist der ganze Krempel hin und wertlos — — — das ist eine Gemeinheit! Wehe dem Mann, der wirklich davon abhängt — — — er sterbe, als ein Unnötiger! Als einer, der seine Pflicht als Herr der Welt versäumt, verletzt hat!
SCHICKSALS TRAGISCHER ANFANG
Die Leiden des jungen Werther, von Goethe.
„Den 17. Mai.
— — —; noch einen braven Mann habe ich kennen gelernt, den fürstlichen Amtmann Buff, einen offenen treuherzigen Menschen. Man sagt, es soll eine Seelenfreude sein, ihn unter seinen Kindern zu sehen, deren er neun hat; besonders macht man viel Wesens von seiner ältesten Tochter Lotte.“
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Um zwölf mittags starb er. Der Amtmann und seine Söhne folgten der Leiche. Albert (Lottes Gatte) vermocht’s nicht. Man fürchtete für Lottens Leben.