Die letzte Unterredung mit König Umberto. Aus Rom wird uns geschrieben: Am 23. September ist in Monza der frühere langjährige radikale Abgeordnete Oreste Pennati gestorben, der sein Vaterland von 1894 bis 1909 im Parlament vertreten hat. Pennati hat eine unerwartete Berühmtheit in Italien dadurch erlangt, daß er am tragischen Abend des 29. Juli 1900 der letzte Mensch war, mit dem König Umberto gesprochen hat. Er hatte den König als Abgeordneter für Monza auf dem Turnfestplatz empfangen und geleitete ihn nach dem Turnfest nach seinem Wagen. In heiterem Geplauder mit dem Abgeordneten schritt der König dahin, und an dem Wagen angelangt, sagte er auf ein Kompliment Pennatis über seine vortreffliche Gesundheit: „Ja, lieber Pennati, so jung wie die Turner da drinnen sind wir beide allerdings nicht mehr.“ Dabei wies der König lächelnd auf seinen schneeweißen Bart, schüttelte Pennati die Hand und schwang sich auf das Trittbrett der Equipage. In diesem Augenblick fiel der tödliche Schuß.

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Wenn man im dichtgedrängten Varieté so dasitzt, daß man immer bedenkt, dem anderen die Aussicht nicht zu verkürzen, ist man ein Adeliger! Im anderen Fall ein Schurke!

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„Stört Sie mein Zigarettenrauch?!“ sagen die Herren devot-kriecherisch zu den Damen. Den Herren neben ihnen sagen sie das nie, außer denen, die sie anpumpen wollen!

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Man möchte Frauen viel lieber Blumen schenken, wenn man es nicht wüßte, daß sie es erwarten!

DE AMICITIA

Freund ist einer, der es sich erlaubt, taktlose, infernale, rohe Bemerkungen und Fragen zu stellen, einen zu demütigen, zu blamieren, lächerlich zu machen, in den Augen der anderen herabzusetzen und, falls man sich darüber beklagt, zu sagen: „Ich bin doch dein Freund!“

Distanz einhalten ist die Kultur, der Takt, die Musik des Herzens. Aber wieviel Unmusikalische gibt es?! Es gibt genug notwendige Verletzungen in dieser Schlacht „Leben“, aber die unnötigen erst sind Verbrechen! Heimtückischer feiger Meuchelmord an unschuldigen Nerven! Kindern wird das Blut zu Wasser, wenn Möbel krachen. Zarten Erwachsenen ebenso bei taktlosen Bemerkungen. Man erschrickt, wird hilflos wie ein Kind! Wehe euch, die ihr unsere Seelen, die an der Not der ganzen Menschheit traurig zu tragen haben, eines Scherzes wegen demütigt und belastet! In die Arena der blutig Übermütigen werden wir von euch getrieben, und je mehr spitze Lanzen in unserer Seele zitternd stecken, desto befriedigter, vergnügter seid ihr! Die scherzhafte „ironische Note“ ist der feige Schutz der eigenen Armseligkeiten gegen den, der schweigend-ernst im Lichte seines Geistes, seiner Seele dasitzt!