An eine wunderschöne Fünfzehnjährige:
Was die Männer, die dir „nachsteigen“ und „Coco, Wiener Journal, An jenes kleine Fräulein, das vorgestern Ecke — — —“ annoncieren, von dir sich ersehnen, weißt du! Darauf sich etwas einzubilden ist Sache einer Gans! Du kennst doch diese kleinen weißen netten Blechhäuschen, in denen so mancher notgedrungen für Augenblicke gern verweilt, um sie sobald als möglich wieder zu verlassen?! Solch einem Häuschen willst du doch hoffentlich nicht ähnlich werden?! Wenn jemand zu dir sagt, daß er unaufhörlich an dich denke, so erwidere ihm, daß das keine sehr lukrative Beschäftigung sei! Falls er dir mit Selbstmord droht oder Melancholie, so erwidere ihm, daß es gestern ein wenig kühl gewesen sei, das Wetter nachmittags sich aber Gott sei Dank freundlicher gestaltet habe. Sollte dir jemand etwas schenken wollen, so nimm es stets ruhig an, denn die Gewissensbisse darüber, einen vielleicht praktischen und netten Gegenstand eingebüßt zu haben, sind gefährlicher für deine Seele als die Annahme! Man kommt in eine nähere Berührung durch einen „Refüs“, denn es nistet sich leicht in dein Spatzengehirn das Wort „armer Kerl!“ ein. Mitleid mit jemandem haben, der einen „haben“ will, ist eine horrende Eitelkeit. Eine Selbstüberschätzung. Kannst du dir, aufrichtig, ernstlich es vorstellen, daß einer à tout prix nur mit dir glücklich werden kann?! Nein!
DIE „GEWÖHNLICHE FRAU“
Wehe dir, der du nicht geschützt bist vor Frauengunst,
und verbrennst in Liebesbrunst!
Ein ewig Wachsender bisher, wirst du nun
ein Stillgestandener!
Eh du es spürst, bist du ein anderer,
ein Niederhocker wirst du, Wanderer,
Nicht wie im Kaleidoskope mehr wandeln sich dir