kommt nicht in Schande.

Wer Einhalt zu tun weiß,

kommt nicht in Gefahr

und kann so ewig dauern.

DIE „TAUBE“

22. September 1914.

Plötzlich knallt ein Gewehrschuß, dann ein zweiter, dann zehn, dann hundert und hundert. Das Feuer eines Gefechtes erhob sich über Paris. Woher kam es? Wer weiß, von den Dächern vielleicht. Man sah aber niemanden. Vielleicht waren oben in den Mansarden Soldaten versteckt. In der Nähe und in der Ferne vermehrten sich die Gewehrschüsse; auch schien man ein entlegenes Maschinengewehrgeräusch wahrzunehmen. Dies alles war großartig und merkwürdig zugleich. Die „Taube“, viel zu hoch, um getroffen zu werden, verfolgte weiter ihren Kurs, flog nach den Tuilerien, verschwand hinter den Dächern, kam wieder über die Rue de la Paix, verschwand wieder. Als das Fahrzeug zurückflog, hörte man auf einmal das tiefe Geräusch einer Explosion; dann wieder und wieder eine: der Flieger warf Bomben. Ein anmutiges junges Mädchen, „Mannequin“ eines Pariser Modehauses, dreht sich um und wendet sich an eine Kollegin: „Cochon d’alboche, il fait kaka sur nous!“

ÜBER GERÜCHE

Frauen sind enorm impressionabel, sie nehmen so leicht die Gerüche ihrer Umgebung an! War sie in der Milchkammer, so riecht sie noch stundenlang nach Milch, ihre Hände, ihre Haare, ihr ganzer Leib — — —. War sie auf dem Gemüsemarkte, so riecht sie noch stundenlang nach allen Gemüsen, wie Kräutersuppe — — —. Im Garten riecht sie nach Flieder oder Linde oder überhaupt nach Garten — — —. Auf der Alm nach Kuhweide und Kurzwiese. Das ist ein tragisches Schicksal; denn immer riecht sie daher auch nach dem letzten Hunde, mit dem sie gerade beisammen war, nach dem letzten Snob und seiner Pestausdünstung, seinem Lügegestanke! Nach Dichtern riecht sie nie, denn Dichter halten sich in respektvoller Entfernung, wahrscheinlich aus künstlerischem Egoismus! Am meisten riechen sie nach „Frechlingen“, die einem immer allzu nahe treten! Da nehmen sie denn die Gerüche am allerleichtesten an — — —. Edle Frauen sollten unbedingt immer in der Natur bleiben oder in der heiligen Einsamkeit ihres eigenen Zimmers. Überall sonst stinkt es!

Auch gute Bücher stinken nie, sie sind das Destillat aus allen übelriechenden Sünden, die man begangen hat; man hat daraus endlich einen Tropfen wohlriechender Menschlichkeit gewonnen!