DAS THEATERSTÜCK EINES IM FELDE STEHENDEN DEUTSCHEN OFFIZIERS
Ich bin leider kein „zünftiger Theaterreferent“, ich bin nur, trotz meines Namens oder vielleicht wegen, ein ganz gemeiner Varietéreferent geblieben, was, wenn es noch so gut ist, nichts gilt in der literarischen Welt! Ich bin kein Areopag, was hat zu entscheiden über die Güte eines Stückes und über die Qualitäten von den Leistungen von seiten der darstellenden Künstler, inwiefern sie den Intentionen des Dichters nachzukommen ehrlich angestrebt haben, inwiefern hinwiederum der Dichter den Intentionen des Referenten nachgekommen ist, der sich schon infolge seines ernsten Berufes längst vor der Premiere mit den Qualitäten des Stückes streng und intensiv befaßt hatte! Ich war infolgedessen bei der Erstaufführung von Fritz von Unruhs „Offiziere“, zugleich mit der jungen schönen bleichen Frau, in deren Loge ich zu Gaste war, tief begeistert und oft tränenüberströmt.
„Sie sind doch kein Knabe mehr, Peter!“
„Im allgemeinen nicht, aber hie und da bei wichtigen besonderen Anlässen!“
Ja, das Stück ist herrlich, die Darsteller Iwald, Pointner, Forster, Turner, Fräulein Choste, vollkommen! Ob dieses moderne Stück nichts anderes eigentlich sei als das alte Kleistsche: „Prinz von Homburg“, ist mir ganz egal. Das alte ist fad, und das neue ist packend! Vielleicht würde ich es auch anders sehen, wenn ich in angesehener Stellung wäre, aber so, als ganz gewöhnlicher Varietéreferent, bin ich nur gerecht und begeistert!
SPLITTER
Frau E. v. W. sagte zu mir: „Wenn ich, ganz nach Ihren Prinzipien, stumm, in mich gekehrt, dasitze, werden Sie sich doch, nach Stunden, mit mir schrecklich langweilen und sich eine fesche Ungezogene herbeiwünschen, nicht?!“
„Allerdings! Aber es wird dann nur meine Inferiorität beweisen, nicht die Ihre!“
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„Bin ich Ihnen, mein Herr, nicht doch zu wenig leblos, temperamentlos, zu fad?!“