Sie hatte eine kleine reizende Blumenhandlung im Berghotel. Das heißt, sie hatte sie nicht, sondern sie war nur Verkäuferin. Die Besitzer waren in Wien, reiche Leute.
Sie liebte die Blumen, die man ihr von den ungangbaren Felsgraten brachte, sie liebte die Blumen, die man ihr aus Ziergärten schickte in Watte und Holzbaumwolle. Alles, alles mußte sie aber doch verkaufen. Ihre besten Kunden waren die „Hotel-Don Juans“ und die „Neuvermählten“. Und sogenannte notwendige Abschiedsbuketts, von denen man dachte: „Ich will nicht, aber ich muß!“ Diese verkaufte sie am liebsten, schlug, so weit es ging, mit dem Preise auf, unerbittlich. Abschied ohne Abschiedstränen muß teuer bezahlt werden! Einmal kam ein Dichter, bestellte für die sechsjährige Sonja Dungyersky einen Strauß von hellrosigen „Rosa Crimson Rambler“. Diesen ließ sie sich nicht bezahlen. „Weshalb denn nicht?!“ fragte der Dichter. „Wir wollen doch auch um Gottes willen einmal eine Freude haben! Etwas miterleben!“ erwiderte die Verkäuferin.
FRÜHLING
Also jetzt weiß ich alles — — — zuerst kommen die Kätzchen der Haselstaude, dann kommt primula acaulis, dann gentiana brachyphylla, dann kommt ein grüner Schimmer über die Birken, dann kommt Leontodon taraxacum, dann kommt ein weißer Schimmer über die Birnbäume, dann erwachen die Kastanienbäume, und zuletzt die Lärchen. Jetzt weiß ich alles, so wird es! Hotels werden gebaut aus weißen Betonziegeln, und man projektiert ein Tontaubenschießen. Gleichsam ein lebendiger Protest gegen das Massakrieren von lebenden Tauben. Freilich der Turmfalke, der Sperber, der Wanderfalke, die Eule?!? Aber die tun es aus Instinkt, den wir Gott sei Dank verloren haben. So viele Leute jedoch ersehnen sich ihn wieder. Sie haben aber leider noch genug davon!
ERLEBNIS
Ich kaufte mir für eine Krone eine Porzellankaffeeschale mit gemalter Ansicht: „Semmering, Hotel Panhans“, steckte eine große Rolle Papier hinein, auf dem geschrieben stand: „Das sind die „Andenken“, die die reichen Damen ihren unglücklichen Dienstboten vom Semmering mitzubringen pflegen!“
Und das Dienstmädchen sagt gerührt: „Aber gnä’ Frau, nein so was — — —!“
Aber sie meint: „Nein, so was Billiges, Scheußliches!“
Kaum hatte ich die Sache auf meinem Tische aufgestellt, besuchte mich ein reicher Gutsbesitzer. „Großartig,“ sagte er, „wir fahren heute weg. Meine Frau hat drei solcher Kaffeeschalen für unsere Dienstboten gekauft! Und ich sag’ Ihnen doch, mein lieber Altenberg, solche Leut’ freut das am meisten!“ „Ja, Schnecken!“ wollte ich sagen, aber ich sagte: „Selbstverständlich, sicherlich.“ Dann sagte er: „Zeigen Sie’s jedesfalls meiner Frau, vielleicht gift’ sie sich.“