Als nun Lillekort ein kleines Ende gegangen war, wollte er einmal das Schiff probiren. Er nahm es daher aus der Tasche und steckte den einen Fuß hinein; da ward das Schiff weit größer; und als er nun auch den andern Fuß nachzog, ward es so groß, wie die Schiffe, die in der See gehen. Da sprach Lillekort: »Fahr hin über Salzwasser und Süßwasser, über Berg' und tiefe Thäler, bis daß du kommst zu des Königs Schloß!« — und fort saus'te das Schiff, wie ein Vogel durch die Luft, bis daß es zum Königsschloß kam; da stand es still. Drinnen im Schloß aber hatten die Leute von den Fenstern aus gesehen, wie Lillekort dahergesegelt kam. Darüber waren nun Alle sehr verwundert und liefen hinunter, um zu sehen, was Das für Einer wäre, der so auf einem Schiff durch die Luft gefahren kam. Während sie aber hinunterliefen, war Lillekort schon aus seinem Schiff herausgestiegen und hatte es wieder in die Tasche gesteckt; denn sowie er nur mit den Füßen hinaustrat, ward es wieder so klein, als es war, da er es von der Alten bekommen hatte. Die Leute vom Königsschloß sahen nun nichts Anders, als einen kleinen in Lumpen gehüllten Knaben, der da am Ufer stand. Der König fragte ihn, wo er her wäre. Der Knabe aber sagte, das wüßte er nicht, und eben so wenig wußte er zu sagen, auf welche Weise er hergekommen sei, bat aber inständig um einen Dienst auf dem Schloß und sagte, wenn sie nichts Anders für ihn zu thun hätten, so könne er ja der Köchinn Holz und Wasser zutragen. Diese Bitte ward ihm denn auch gewährt. Als Lillekort aber auf das Schloß kam, sah er, daß Alles, sowohl inwendig, als auswendig, selbst die Wände und das Dach, mit Schwarz bezogen war. Er fragte deßhalb die Köchinn, Was das zu bedeuten hätte. »Das will ich Dir sagen,« antwortete die Köchinn: »Die Königstochter ist schon vor langer Zeit an drei Trollen versprochen worden, und am nächsten Donnerstag-Abend wird der eine kommen und sie abholen. Der Ritter Röd hat sich zwar verbürgt, sie zu befreien; aber Gott mag wissen, ob er's kann, und darum ist hier Alles so voll Sorge und Betrübniß, wie Du wohl denken kannst.«

Als es nun am Donnerstag-Abend um die Zeit war, führte der Ritter Röd die Prinzessinn hinaus ans Meerufer — denn da war es, wo der Troll sie abholen wollte — und da sollte nun der Ritter Röd sie in Schutz nehmen; aber er that dem Trollen eben keinen großen Schaden, will ich glauben; denn kaum hatte die Prinzessinn sich am Ufer niedergesetzt, so kroch der Ritter auf einen großen Baum, welcher da stand, und verbarg sich zwischen die Zweige, so gut er konnte. Die Prinzessinn weinte und bat ihn so flehentlich, er möchte sie doch nicht verlassen; aber der Ritter Röd achtete nicht auf ihr Bitten, sondern sagte: »Es ist besser, daß Einer das Leben verliert, als daß Zwei umkommen.«

Inzwischen bat Lillekort die Köchinn um Erlaubniß, ein wenig an den Strand zu gehen. »O, Was willst Du da?« sagte die Köchinn: »Du hast da Nichts zu thun.« — »Ach ja, liebe Köchinn, laß mich nur hingehen,« sagte Lillekort: »ich wollte so gern mit den andern Kindern ein wenig spielen.« — »Na, geh denn!« sagte die Köchinn: »aber daß Du nur nicht länger ausbleibst, als bis der Kessel zum Abendessen über's Feuer gehängt, und der Braten an den Spieß gesteckt wird! und bring' dann einen tüchtigen Armvoll Holz mit in die Küche!« Ja, das wollte Lillekort nicht vergessen, und damit lief er fort ans Ufer.

Als er eben dort ankam, wo die Königstochter saß, kam auch schon der Troll dahergesaus't, er war so groß und so dick, daß es ganz abscheulich aussah, und fünf Köpfe hatte er. »Feuer!« schrie der Troll. »Feuer gleichfalls!« sagte Lillekort. »Kannst Du fechten?« rief der Troll. »Kann ich's nicht, so kann ich's lernen,« sagte Lillekort. Darauf schlug der Troll mit einer dicken eisernen Stange, die er in der Faust hielt, nach ihm, so daß die Erde ihm fünf Ellen hoch über den Kopf flog.

»Twi!« sagte Lillekort: »Das war auch was Rechtes! Nun sollst Du aber einen Schlag von mir sehen!« und damit ergriff er sein Schwert, das er von dem alten krummpuckligen Weib bekommen hatte, und hieb damit nach dem Trollen, so daß alle fünf Köpfe über den Sand hinflogen. Als die Prinzessinn sich nun befrei't sah, war sie so froh, daß sie sich vor Freude gar nicht zu lassen wußte. »Schlaf nun ein Stündchen auf meinem Schoß!« sagte sie zu Lillekort, und während er nun auf ihrem Schoß lag und schlief, zog sie ihm ein goldnes Kleid an.

Nun dauerte es nicht lange, so kroch der Ritter Röd wieder vom Baum herunter, weil er sah, daß jetzt keine Gefahr mehr für ihn vorhanden war. Er brachte die Prinzessinn durch Drohungen dahin, daß sie sagen mußte, er sei es, der sie befrei't habe, und wenn sie das nicht sagte, wollte er ihr das Leben nehmen. Darauf schnitt er dem Trollen die Lungen aus dem Leib und die Zungen aus den Köpfen, und führte dann die Prinzessinn wieder zurück nach dem Königsschloß. Und hatte man dem Ritter zuvor keine Ehre angethan, so that man es jetzt; der König wußte gar nicht, Was er alles ersinnen sollte, um ihn zu ehren, und immer mußte der Ritter Röd bei Tafel ihm zur Seite sitzen. Lillekort aber begab sich auf das Trollschiff, nahm eine ganze Menge goldne und silberne Faßreifen, und damit kehrte er zurück nach dem Schloß. Als die Köchinn all das Gold und Silber sah, das er brachte, war sie ganz erstaunt darüber und sagte: »Mein lieber kleiner Lillekort, wo hast Du denn all die schönen Sachen herbekommen?« denn sie befürchtete, er möchte nicht auf eine ehrliche Weise dazu gekommen sein. »O,« antwortete Lillekort: »ich bin zu Hause gewesen, und da waren diese Reifen von einem Eimer abgefallen, und da hab' ich sie für Dich mitgenommen.« Als die Köchinn hörte, daß sie die Reifen haben solle, fragte sie nicht weiter, sondern bedankte sich bei Lillekort, und damit war Alles gut.

Den andern Donnerstag-Abend ging es wieder eben so: Alle waren voll Sorge und Betrübniß; allein der Ritter Röd sagte, hätte er die Königstochter von dem einen Trollen befrei't, so würde er sie jetzt auch wohl von dem zweiten befreien, und damit geleitete er sie noch so kecklich wieder hinaus ans Meerufer. Aber er that auch diesmal dem Trollen eben keinen großen Schaden; denn als es um die Zeit war, daß man den Trollen erwartete, sagte er wieder, wie das vorige Mal: »Es ist besser, daß Einer das Leben verliert, als daß Zwei umkommen,« und damit kroch er wieder auf den Baum.

Lillekort aber bat die Köchinn wieder um Erlaubniß, ein wenig an den Strand zu gehen. »O, Was willst Du da?« sagte die Köchinn. »Ja, liebe Köchinn, laß mich nur gehen,« sagte Lillekort: »ich wollte gern mit den andern Kindern ein wenig spielen.« Da gab sie ihm denn auch diesmal Erlaubniß; aber das mußte er ihr versprechen, daß er zurück sein wollte, wenn der Braten gewendet werden sollte, und dann müßte er einen guten Armvoll Holz mitbringen.

Kaum war Lillekort am Ufer angelangt, so kam auch schon der Troll daher, daß es nur so saus'te; er war noch einmal so groß, als der vorige, und hatte zehn Köpfe. »Feuer!« schrie der Troll. »Feuer gleichfalls!« sagte Lillekort. »Kannst Du fechten?« rief der Troll. »Kann ich's nicht, so kann ich's lernen,« sagte Lillekort. Darauf schlug der Troll mit seiner eisernen Stange nach ihm — die war noch einmal so groß, als die des ersten Trollen — so daß die Erde ihm zehn Ellen hoch über den Kopf flog. »Twi!« sagte Lillekort: »das war auch was Rechtes! Nun sollst Du einen Schlag von mir sehen!« und damit ergriff er sein Schwert und hieb nach dem Trollen, so daß alle zehn Köpfe über den Sand hintanzten.

Darauf sagte die Königstochter wieder zu ihm: »Schlaf jetzt ein Stündchen auf meinem Schoß!« und während Lillekort nun auf ihrem Schoß lag und schlief, zog sie ihm ein silbernes Kleid an. Sobald der Ritter Röd merkte, daß keine Gefahr mehr vorhanden war, kroch er wieder vom Baum herunter und zwang die Prinzessinn abermals durch Drohungen, zu sagen, daß er es sei, der sie befrei't habe. Darauf nahm er die Zungen und die Lungen des Trollen, knüpfte sie in sein Taschentuch und geleitete die Königstochter wieder zurück nach dem Schloß. Hier war nun lauter Freude und Jubel, wie man sich wohl denken kann, und der König wußte gar nicht, Was er alles angeben sollte, um dem Ritter Röd genugsam Ehre und Achtung zu erweisen.