»Ja, es sollte Dir schlecht gehen, aber um Deines Mannes willen mag es Dir vergeben sein,« sagte Hakon Borkenbart; und nun ging es wieder eben so, wie die vorigen Male: als die Königstochter nach der Hütte kam, war Hakon Borkenbart schon wieder da. »Ach, Gott steh mir bei!« sagte sie: »ich werde doch zuletzt noch unglücklich um Deinetwillen; denn Du willst mich immer zu Dem haben, was nicht taugt. Der Prinz war diesmal so bitterböse, daß er mir mit dem Dorfrichter und dem Zuchthaus droh'te.«

Einige Zeit darnach sagte Hakon, als er abends vom Schloß zurückkam. »Nun will der Prinz, daß Du auf's Schloß kommen und die Braut vorstellen sollst, denn die rechte Braut ist noch immer krank und bettlägerig; aber Hochzeit will der Prinz nun einmal halten, und er sagt, Du gleichest seiner Braut so sehr, daß Keiner Euch von einander unterscheiden könne. Halt Dich also bereit, morgen aufs Schloß zu gehen.« —

»Ich glaube, Ihr habt beide Euern Verstand verloren, sowohl Du, als der Prinz,« sagte sie: »Sehe ich denn darnach aus, daß ich eine Braut vorstellen kann? Kein Bettlerweib kann ja ärger aussehen, als ich.« —

»Einerlei! der Prinz will es aber einmal so haben,« versetzte Hakon Borkenbart, und es war nun kein anderer Rath, sie mußte fort, und als sie aufs Schloß kam, wurde sie so aufgeputzt und herausstaffirt, daß keine Prinzessinn stattlicher aussehen konnte. Darauf gingen sie zur Kirche, und sie stellte die Braut vor, und als sie zurückkamen, gab es Musik und Tanz und lauter Lustbarkeit auf dem Schloß. Wie aber die Königstochter mit dem Prinzen im besten Tanzen war, sah sie einen hellen Schein durch das Fenster, und wie sie hinblickte, da stand die Hütte in Feuer und Flammen.

»Ach! die Hütte! und der Bettler! und mein Kind!« rief sie und sank beinahe in Ohnmacht.

»Hier ist der Bettler! und da ist Dein Kind!« sagte Hakon Borkenbart: »und laß dann die Hütte zum Teufel sein!« Da erkannte die Königstochter ihn wieder, und nun ging erst die rechte Lust an. Nachher aber habe ich Nichts weiter von ihnen gehört.


16.

Die Meisterjungfer.

Es war einmal ein König, der hatte mehre Söhne, wie viel es aber eigentlich waren, kann ich nicht mit Gewißheit sagen. Als der jüngste herangewachsen war, hatte er durchaus keine Ruhe zu Hause, sondern wollte mit aller Gewalt fort in die Welt und sein Glück versuchen; er hielt auch nicht auf, seinen Vater so lange zu bitten, bis dieser ihm endlich die Erlaubniß zum Reisen ertheilte. Als er nun einige Tage lang gereis't war, kam er zu einem Riesenschloß, und da gab er sich bei dem Riesen in Dienst. Den andern Morgen machte der Riese sich in aller Frühe auf, um seine Ziegen zu hüten, dem Königssohn aber befahl er, inmittlerweile den Stall auszumisten; »und wenn Du damit fertig bist,« sagte er: »dann hast Du für heute Feierabend; denn Du musst wissen, daß Du zu einem guten Herrn gekommen bist; aber Was ich Dir sage, das musst Du treu und ordentlich verrichten; und dann darfst Du in keins von den Zimmern gehen, worin Du noch nicht gewesen bist; thust Du es dennoch, so kostet es Dir das Leben.« — »Ja, wahrhaftig!« sagte der Königssohn, als der Riese fort war: »das ist doch ein guter Herr!« und ging auf und ab im Zimmer und sang und trallei'te; denn er meinte, mit dem Ausmisten hätte es noch gute Weile. »Aber wissen möcht' ich doch wohl, Was in den andern Zimmern sein mag,« sagte er: »es muß wohl etwas Besonderes sein, weil er es mir so strenge verboten hat, hineinzugehen,« und damit ging er rasch in das erste von den Zimmern. Hier hing ein Kessel von der Decke herab und kochte; aber der Königssohn sah kein Feuer darunter. »Was wohl drin sein mag?« dachte er und tauchte einen von seinen Handschuhen hinein, und da wurde der Handschuh als wär' er von lauter Kupfer. »Eine schöne Suppe!« sagte er: »wenn Einer davon kostete, würde er gewiß hübsch um den Schnabel aussehen.« Hierauf ging er in ein andres Zimmer, und da hing auch ein Kessel von der Decke herab und pruttelte und kochte, aber Feuer war auch nicht darunter. »Ich muß den auch mal probiren,« sagte der Königssohn und steckte wieder seinen Handschuh hinein, und nun ward derselbe ganz versilbert. »So theure Suppe giebt's nicht auf meines Vaters Schloß,« sagte der Königssohn: »es fragt sich nur, wie sie schmeckt.« Hierauf ging er in das dritte Zimmer, und da hing auch ein Kessel von der Decke herab und kochte, ganz so, wie in den beiden andern Zimmern, und der Königssohn bekam Lust, den auch zu probiren und tauchte wieder den Handschuh hinein, und da ward derselbe so blank vergoldet, daß es nur so blitzte. »Donner und's Wetter!« sagte der Königssohn: »wird hier Gold gekocht, Was mag man denn dort drinnen kochen?« und damit ging er in das vierte Zimmer. Hier war kein Kessel zu sehen; aber auf der Bank saß eine Jungfrau, das war gewiß eine Königstochter; was für eines Mannes Tochter es aber auch sein mochte, so hatte doch der Königssohn noch nie ihres Gleichen gesehen, so außerordentlich schön war sie. »Um's Himmels willen, Was willst Du hier?« rief sie, sobald sie ihn gewahr ward. »Ich bin seit gestern hier im Dienst,« sagte der Königssohn. »Gott steh' Dir bei für den Dienst, den Du hier bekommen hast!« sagte sie. »O, mir däucht, ich habe einen guten Herrn bekommen,« sagte der Königssohn: »er hat mir heute eben keine schwere Arbeit aufgegeben: wenn ich den Stall ausgemistet habe, kann ich Feierabend machen.« — »Ja, aber wie willst Du das anfangen?« sagte sie: »denn wenn Du so ausmistest, wie andre Leute zu thun pflegen, so kommen für jede Schaufelvoll, die Du hinauswirfst, wieder zehn andre Schaufeln voll hinein. Ich will Dir aber sagen, wie Du es machen sollst: Du musst bloß die Schaufel umkehren und mit dem Stiel ausmisten, dann fliegt Alles von selbst hinaus.« — Ja, das wollte er schon in Acht haben, sagte der Königssohn, und nun blieb er bei der Prinzessinn — ich werde sie so nennen — den ganzen Tag über, denn sie waren bald darüber einig geworden, daß sie einander heirathen wollten, und da wurde denn dem Königssohn der erste Tag, den er bei dem Riesen diente, eben nicht lang, kannst Du glauben. Als es aber gegen Abend kam, sagte sie zu ihm: »Nun ist es am besten, Du mistest den Stall aus, ehe der Riese wieder nach Hause kommt.« Als aber der Bursch in den Stall kam, wollte er sehen, ob es sich wirklich so verhielt, wie die Königstochter ihm gesagt hatte, und fing an, so auszumisten, wie er es früher von den Stallknechten seines Vaters gesehen hatte; aber er mußte bald damit aufhalten; denn als er eine Weile so gemistet hatte, war im Stall beinahe kein Raum mehr, wo er stehen konnte. Darauf mistete er so aus, wie die Königstochter es ihm gelehrt hatte: nämlich, er kehrte die Schaufel um und mistete mit dem Stiel, und nun dauerte es kaum einen Augenblick, da war der Stall so rein, als ob er gefegt und gescheuert wäre. Als er damit zu Stande war, ging er wieder zurück in das Zimmer, das der Riese ihm angewiesen hatte, und da spazierte er auf und ab und sang und trallei'te. Endlich kam der Riese mit den Ziegen wieder nach Hause, und die erste Frage, die er dem Königssohn that, war: »Hast Du nun den Stall ausgemistet?« — »Ja, Herr, der ist rein und sauber,« sagte der Königssohn. »Das will ich mal sehen,« sagte der Riese und ging in den Stall; aber es verhielt sich, wie der Königssohn gesagt hatte. »Du hast gewiß mit meiner Meisterjungfer gesprochen,« sagte der Riese: »denn das hast Du nicht aus Dir selber.« — »Meisterjungfer? Was ist das für Eine?« sagte der Königssohn und stellte sich ganz dumm an: »die möcht' ich wohl mal sehen.« — »Du wirst sie noch früh genug zu sehen kriegen,« sagte der Riese.