Darauf ritt der Bursch wieder ein weites, weites Ende, und die Wolken flogen ihm jeden Augenblick vorüber; denn mit der Grimsschecke ging es nicht langsam, wie man sich wohl denken kann. Plötzlich aber fing die Schecke an zu wiehern und fragte: »Hörst Du Etwas?« — »Ja, ich höre in der Ferne ein leises Wiehern wie von einem Füllen,« sagte der Bursch. »Nun, das war eben kein kleines Füllen,« sagte die Schecke: »es hört sich nur so leise an, weil es noch so weit weg ist.« Darauf reis'ten sie ein gutes Ende weiter. Endlich wieherte die Grimsschecke wieder. »Hörst Du Etwas?« fragte sie. »Ja, nun hör' ich es deutlich wiehern, wie ein großes Pferd,« sagte der Bursch. »Ja, Du musst es noch einmal hören,« sagte die Schecke: »dann wirst Du's schon gewahr werden.« Nun reis'ten sie wieder ein gutes Ende weiter; da wieherte die Grimsschecke zum dritten Mal; aber ehe sie noch den Burschen fragen konnte, ob er Etwas höre, wieherte es auf der Senne, daß der Bursch dachte, der alte Berg würde bersten. »Nun ist es hier!« sagte die Grimsschecke: »Wirf jetzt geschwind die Ochsenhäute mit den Lattenspikern auf mich, und die Theertonne wirf auf die Erde, und dann klettre auf die große Tanne da. Wenn dann das Pferd kommt, schnaubt es Feuer aus beiden Nüstern und zündet die Theertonne an. Alsdann gieb wohl Acht: wenn die Flamme steigt, so gewinne ich; fällt sie, so verliere ich. Siehst Du aber, daß ich gewinne, so wirf ihm schnell meinen Zaum über, dann ist es zahm.« Kaum hatte der Bursch die Häute mit den Spikern auf die Grimsschecke geworfen, die Theertonne auf die Erde gerollt und war auf die Tanne geklettert, so kam das Pferd an, daß ihm die Flammen aus beiden Nüstern fuhren, und sogleich fing die Theertonne Feuer. Darauf begann die Grimsschecke einen Kampf mit dem andern Pferd, daß die Steine bis an den Himmel flogen, sie bissen sich und schlugen aus mit den Vorder- und den Hinterbeinen. Der Bursch sah bald nach ihnen, bald nach der Theertonne, und endlich stieg die Flamme; denn wo das andre Pferd auch beißen und schlagen mochte, so traf es immer nur die Häute mit den Spikern, und da mußte es sich denn endlich geben. Als der Bursch das sah, sprang er schnell vom Baum herunter, nahm den Zaum von der Grimsschecke und warf ihn auf das andre Pferd, und da war es so zahm, daß er es mit einem Zwirnsfaden lenken konnte, und eben so scheckig war es wie das Grimsfüllen, so daß man sie nicht von einander zu unterscheiden vermochte. Nun setzte der Bursch sich auf das neue Pferd und ritt wieder zurück nach dem Königsschloß, und die Grimsschecke lief neben ihm her. Als er beim Schloß ankam, stand der König draußen auf dem Hof. »Kannst Du mir jetzt sagen, was für ein Pferd ich gefangen habe, und was für eins ich hatte?« sagte der Bursch: »kannst Du es nicht, so gehört Deine Tochter mir.« Der König betrachtete beide Schecken von unten bis oben; aber es war kein Haar anders an der einen, als an der andern. »Nein,« sagte der König: »das kann ich nicht. Meine Tochter hast Du jetzt, da Du ihr ein so stattliches Brautpferd verschafft hast, Dir erworben; aber erst müssen wir sehen, ob es auch so bestimmt ist, daß Du sie haben sollst: Meine Tochter soll sich zweimal verstecken, und nachher sollst Du Dich auch zweimal verstecken; kannst Du sie nun die beiden Male finden, aber sie nicht jedesmal Dich, dann ist es so bestimmt, daß Du sie haben sollst.« — »Das steht nun freilich auch nicht mit im Accord,« sagte der Bursch: »aber weil's denn so sein muß, wollen wir's versuchen.«
Nun sollte die Königstochter sich zuerst verstecken, und da verwandelte sie sich in eine Ente und schwamm auf dem Wasser, das dicht bei dem Schloß war. Der Bursch aber ging hinunter in den Stall und fragte die Grimsschecke, wo sie sich versteckt hätte. »O, Du brauchst nur Dein Gewehr zu nehmen und nach der Ente zu zielen, die auf dem Wasser schwimmt,« sagte die Grimsschecke: »dann wird sie schon zum Vorschein kommen.« Da nahm der Bursch sein Gewehr und ging damit nach dem Wasser. »Ich will doch mal die Ente kappen,« sagte er und fing an zu zielen. »Nein, nein! schieß nicht! das bin ich!« sagte die Prinzessinn; und nun hatte er sie das erste Mal gefunden. Das zweite Mal verwandelte die Prinzessinn sich in ein Brod und lag auf dem Tisch zwischen vier andern Broden, und alle waren ganz gleich, so daß Keiner sie zu unterscheiden vermochte. Aber der Bursch ging wieder in den Stall zu der Grimsschecke und fragte, wo er jetzt wohl die Prinzessinn suchen sollte. »O, nimm bloß ein Brodmesser und wetze es tüchtig und thu dann, als ob Du das Brod, das, von der Linken gezählt, das dritte unter den vier andern ist, die auf dem Küchentisch liegen, anschneiden wolltest,« sagte die Grimsschecke: »dann wird sie schon zum Vorschein kommen.« Da ging der Bursch in die Küche und nahm das größte Brodmesser, das er finden konnte, und wetzte es tüchtig; dann ergriff er das Brod, welches, von der Linken gezählt, das dritte unter den vier andern war, und setzte das Messer an, als ob er's mitten durchschneiden wollte. »Ich muß mir doch mal einen Knorren von diesem Brod abschneiden,« sagte er. »Nein, schneide nicht! das bin ich!« sagte die Prinzessinn; und nun hatte er sie auch das zweite Mal gefunden.
Jetzt sollte der Bursch sich verstecken; da sagte ihm aber die Grimsschecke so guten Bescheid, daß er nicht leicht zu finden war. Zuerst verwandelte er sich in eine Roßmücke und verbarg sich in die linke Nüster der Grimsschecke. Die Prinzessinn ging und suchte überall, und zuletzt wollte sie auch in den Raum hinein, wo die Grimsschecke stand; aber die fing an zu beißen und um sich zu schlagen, daß sie sich nicht nahen durfte, und da konnte sie ihn denn nicht finden. »Nein, ich kann Dich nicht finden,« rief sie: »komm nur hervor!« und sogleich stand der Bursch vor ihr in dem Stall. Das zweite Mal verwandelte er sich in einen Klumpen Erde und legte sich zwischen den Huf und das Eisen an dem linken Vorderfuß der Schecke. Die Königstochter ging wieder überall herum und suchte, und zuletzt kam sie auch in den Stall und wollte wieder in den Raum zu der Grimsschecke. Diesmal durfte sie sich auch nahen; aber unter den Huf konnte sie nicht kommen, denn die Schecke stand allzu fest auf ihren Beinen. Da ihr nun alles Suchen nichts half, sagte sie endlich; »Komm nur hervor! denn ich kann Dich doch nicht finden,« und da stand der Bursch sogleich wieder neben ihr im Stall. »Nun ist sie mein,« sagte er zum König: »denn nun kannst Du sehen, daß es so bestimmt ist.« — »Ja, wenn es denn so bestimmt ist, so muß es wohl so bleiben,« sagte der König. Und darauf wurde augenblicklich die Hochzeit gehalten; und der Bursch setzte sich auf die Grimsschecke, und die Prinzessinn auf die andre Schecke, und da kannst Du Dir denn wohl vorstellen, daß sie eben nicht lange Zeit gebrauchten, um nach der Kirche zu kommen; und sie lebten hiernach glücklich und vergnügt mit einander.
8.
Es hat keine Noth mit Dem, in welchen alle Weiber
verliebt sind.
Es waren einmal drei Brüder; nun weiß ich nicht recht, wie das zugegangen war, aber jeder von ihnen hatte einen Wunsch bekommen, so daß er sich wünschen konnte, Was er wollte. Die beiden ältesten bedachten sich nicht lange, sondern wünschten sich, daß es ihnen nie an Geld fehlen möchte, so oft sie in die Tasche griffen; »denn wenn Einer immer Geld hat,« sagten sie: »so kommt er schon fort in der Welt.« Der jüngste dagegen wünschte sich, daß alle Weiber sich in ihn verlieben müßten, sobald sie ihn sähen, sie möchten nun wollen, oder nicht; und das, sollst Du mal hören, war weit besser, als Geld und Gut. Sobald die Brüder ihre Wünsche gethan hatten, wollten die beiden ältesten fort in die Welt. Aschenbrödel bat sie, ihn mit sich zu nehmen, aber von dem wollten die Andern Nichts wissen. »Wo wir hinkommen, werden wir überall empfangen wie Grafen und Prinzen,« sagten sie: »aber Du, der Du gar Nichts hast, Wer wollte sich wohl um Dich bekümmern?« — »Aber Ihr könnt mich darum ja gern mit Euch reisen lassen,« sagte Aschenbrödel: »denn es wird wohl immer auch ein Bissen für mich abfallen, wenn ich bei so hohen Herrschaften bin.« Endlich und zuletzt erlaubten sie ihm denn, mitzureisen, wenn er ihr Diener sein wollte, und darauf ging Aschenbrödel auch ein.
Als sie nun einen Tag, oder so ungefähr, gereis't waren, kamen sie zu einem großen Gasthause; da kehrten die beiden ältesten Brüder, welche Geld hatten, ein, und verlangten frischweg Braten und Fische und Branntwein und Meth und Alles, was gut schmeckt; Aschenbrödel aber, der Nichts hatte, mußte draußen im Hof bleiben und auf die Pferde und das Gepäck der vornehmen Herren Acht geben, denn er war nun ihr Diener. Wie er aber da im Hofe auf- und abging, bemerkte die Frau des Gastwirths ihn durch das Fenster, und ein so schöner Bursch, däuchte ihr, wär' ihr noch nicht vorgekommen; sie guckte und guckte, und je länger sie den Burschen ansah, desto schöner kam er ihr vor. »Was Teufel hast Du da zu stehen und zu glotzen!« sagte der Mann: »mir däucht, es wäre besser, Du säh'st zu, daß das Spanferkel gut gebraten würde, als daß Du da stehst und glotzäugst; Du weißt wohl, was für Herrschaften wir heut zu bewirthen haben.« — »Ach, ich schere mich den Henker um das vornehme Pack!« sagte die Frau: »wollen sie nicht bleiben, so können sie wieder hinreisen, wo sie hergekommen sind. Aber komm mal her und sieh bloß Den, der auf dem Hof geht! einen so schmucken Burschen hab' ich noch mein Lebtag nicht gesehn; willst Du, wie ich, so bitten wir ihn herein und tractiren ihn; denn der arme Schelm hat wohl nicht Viel übrig.« — »Weib, hast Du denn ganz Dein Bischen Verstand verloren?« sagte der Mann und war so zornig, daß ihm die Augen im Kopf glüh'ten. »Fort mit Dir in die Küche!« rief er: »und stehe nicht hier und äugle nach fremden Kerls!« Da war nun kein andrer Rath für die Frau, sie mußte wieder in die Küche und das Essen bereiten; nach dem Burschen aber durfte sie sich nicht weiter umsehen, und ihn tractiren durfte sie noch weniger. Da ersah sie aber die Gelegenheit und machte sich ein Geschäft in dem Hof, und nun schenkte sie Aschenbrödel eine Schere, die hatte die Eigenschaft, daß er sich damit die schönsten Kleider von Sammt und von Seide herabschneiden konnte, wenn er bloß damit in die Luft schnitt. »Die will ich Dir schenken, weil Du ein so schmucker Bursch bist,« sagte sie.
Als nun die beiden andern Brüder ihr Spanferkel und all das Gesottene und Gebratene verzehrt hatten, reis'ten sie weiter, und Aschenbrödel stand wieder als ihr Diener hinten auf dem Wagen. Nach sechs oder sieben Stunden kamen sie zu einem andern Gasthause, und da kehrten die beiden ältesten wieder ein; aber Aschenbrödel, der kein Geld hatte, mußte draußen im Hof bleiben und auf ihre Sachen Acht geben. »Wenn Jemand Dich fragt, Wer wir sind, so sage nur, wir wären zwei fremde Prinzen,« sagten sie zu ihm. In diesem Gasthause ging es nun ungefähr wieder eben so, wie in dem vorigen. Die Wirthsfrau kam ans Fenster und sah Aschenbrödel auf dem Hof stehen, und da ward sie eben so verliebt in ihn, wie die Frau des ersten Gastwirths, und sie konnte sich gar nicht satt an ihm sehen. Als aber ihr Mann darauf zukam, sagte er: »Steh doch nicht da und glotze, wie eine Kuh, die das neue Thor betrachtet, sondern scher' Dich fort in die Küche zu Deinem Fischgrapen; denn Du weißt wohl, was wir heut für Leute zu bewirthen haben.« — »Ach, ich bekümmre mich den Henker um das vornehme Pack!« sagte die Frau: »wenn's ihnen bei uns nicht gut genug ist, so können sie ja hingehen, wo's ihnen besser gefällt. Aber komm mal her und sieh den hübschen Burschen, der da draußen im Hof steht; noch in meinem Leben hab' ich keinen so hübschen Menschen gesehen. Willst Du, wie ich, so nöthigen wir ihn herein zu uns und tractiren ihn; der arme Teufel kann's nöthig haben.« — »Viel Verstand hast Du nie gehabt, Frau,« sagte der Mann: »und das Bischen, das Du hattest, glaub' ich, hast Du jetzt auch verloren. — Fort mit Dir in die Küche! und steh nicht länger da und guck nach dem fremden Kerl aus!« rief er und war noch weit zorniger, als der erste Gastwirth. Sie mußte nun wieder hinaus zu ihrem Fischgrapen, und so gern sie auch den Burschen tractirt hätte, so durfte sie's doch nicht wagen, denn sie fürchtete sich vor ihrem Mann. Da ersah sie aber die Gelegenheit und machte sich ein Geschäft in dem Hof, und nun schenkte sie Aschenbrödel ein Tuch, das hatte die Eigenschaft, daß es sich aufdeckte mit den schönsten Gerichten, die man sich nur wünschen kann, wenn er es bloß aus einander legte. »Das sollst Du haben, weil Du ein so schmucker Bursch bist,« sagte die Wirthsfrau zu Aschenbrödel. Der bedankte sich und war seelenvergnügt; denn ein solches Tuch, kannst Du wohl denken, war besser, als viel Geld.
Nachdem nun die beiden Brüder gegessen und getrunken und Alles theuer bezahlt hatten, reis'ten sie weiter, und Aschenbrödel stand wieder hinten auf. Als sie so lange gereis't waren, bis sie wieder hungrig wurden, kehrten sie in ein sehr vornehmes Gasthaus ein und verlangten das Theuerste und Beste, was es gab. »Wir sind zwei reisende Könige,« sagten sie: »und Geld haben wir wie Heu.« Als der Gastwirth das hörte, ging es an ein Kochen und Braten, daß man's zehn Häuser davon bei den Nachbaren riechen konnte. Aschenbrödel aber mußte wieder in dem Hof bleiben und auf die Sachen Acht geben. Hier ging's ihm nun ungefähr eben so, wie in den beiden vorigen Gasthöfen. Die Wirthsfrau sah durch das Fenster den Diener, der draußen beim Wagen stand, und ein so schmucker Bursch war ihr denn auch noch nicht vorgekommen; sie sah und sah, und je länger sie ihn ansah, desto schöner, däuchte er ihr. Als aber der Gastwirth kam und sie da stehen und gucken sah, sagte er: »Hast Du denn nichts Besseres zu thun, als daß Du da stehst und guckäugelst? Weißt Du denn nicht, was für Leute wir im Hause haben? Fort mit Dir in die Küche zum Grützkessel, und das den Augenblick!« »Ach, es ist wohl nicht so gefährlich,« sagte die Frau. »Wollen sie nicht warten, bis die Grütze fertig ist, so können sie ja wieder reisen; es hält sie Niemand auf. Aber komm mal her, dann sollst Du Was zu sehen kriegen. Sieh mal da auf dem Hof! Ein so schmucker Bursch, sag' ich Dir, ist mir noch nicht vorgekommen. Willst Du, wie ich, so nöthigen wir ihn herein und tractiren ihn; denn er scheint's wohl nöthig zu haben.« — »Ein manntolles Weib bist Du all Dein Lebtag gewesen, und das bist Du auch noch,« sagte der Mann und war entsetzlich böse: »Machst Du aber nicht den Augenblick, daß Du hinauskommst zum Grützkessel, so sollst Du sehen, wie ich Dir Beine machen werde!« Die Frau mußte nun wieder hinaus in die Küche, denn sie wußte wohl, daß der Mann nicht mit sich scherzen ließ. Nach einer Weile aber ersah sie die Gelegenheit, schlüpfte hinaus in den Hof und schenkte Aschenbrödel einen allerliebsten Zapfhahn. »Wenn Du bloß den Hahn umdreh'st,« sagte sie: »so bekommst Du die schönsten Getränke, die Du Dir wünschest: Meth, Wein und auch Branntwein; Das will ich Dir schenken, weil Du ein so schmucker Bursch bist.« Aschenbrödel bedankte sich und war seelenvergnügt; denn ein solcher Zapfhahn war nicht schlecht, kannst Du glauben.
Als nun die beiden Brüder ihre Mahlzeit verzehrt hatten, reis'ten sie wieder fort, und Aschenbrödel stand wieder hinten auf dem Wagen. Sie reis'ten nun ein weites Ende, und endlich kamen sie zu einem Königsschloß; da gaben die beiden ältesten sich aus für zwei Kaisersöhne; und weil sie viel Geld hatten und so stattlich gekleidet waren, wurden sie auf das beste empfangen; sie mußten auf dem Schloß wohnen, und der König wußte nicht, Was er ihnen alles zu Ehren thun wollte. Aber Aschenbrödel, der noch dieselben Lumpen anhatte, die er von Hause mitgenommen, wurde von der Schloßwache auf eine Insel gebracht, nach welcher man alle die Bettler und Lumpenkerls hinausruderte, die auf's Schloß kamen; denn der König konnte die Bettler und Lumpenkerls nicht leiden, sie störten nur die Freude auf dem Schloß, sagte er. Auf der Insel aber bekamen sie nur grade so Viel zu essen, daß sie sich das Leben damit erhalten konnten. Die Brüder von Aschenbrödel sahen wohl, daß die Wache mit ihm nach der Insel hinausfuhr, aber sie waren froh, daß sie ihn los wurden, und bekümmerten sich nicht weiter um ihn. Als nun Aschenbrödel auf die Insel zu den andern Bettlern und Lumpenkerls hinauskam, nahm er bloß seine Schere und schnitt damit in die Luft, und da schnitt er die schönsten Kleider herab, die man sich wünschen kann, von Sammt und von Seide, für sie alle zusammen, so daß der gemeinste Bettler auf der Insel weit stattlicher gekleidet war, als der König selbst und Alle, die auf dem Schloß waren. Darauf nahm Aschenbrödel sein Tuch und breitete es aus, und da deckte es sich mit einer Menge der schönsten Gerichte, so daß Alle daran Mehr, als Genug hatten, und ein solches Gastmahl war noch nicht gehalten worden auf des Königs Schloß. »Nun seid Ihr aber auch wohl durstig,« sagte Aschenbrödel, nahm seinen Zapfhahn und dreh'te ihn herum, und da bekamen alle Bettler auch Genug zu trinken; aber solchen Meth und solchen Wein hatte der König selber noch in seinem Leben nicht geschmeckt.