Den Morgen darauf kam der Schulze da vorbei; der war ganz verwundert über die goldne Hütte, die er im Walde glänzen sah; als er aber hineinging und drinnen die schöne Jungfrau erblickte, da verwunderte er sich noch mehr, und er ward augenblicklich so in sie verliebt, daß er um sie frei'te. »Ja, hast Du aber auch brav Geld?« fragte die Meisterjungfer. Ja, Geld hätte er genug, sagte er, und er wolle sogleich hin und es holen. Am Abend kam er wieder und brachte einen ganzen Scheffelssack voll, den setzte er auf die Bank hin. Ja, weil er so viel Geld hatte, wollte die Meisterjungfer ihn haben, und darauf legten sie sich zusammen ins Bett. Kaum aber hatten sie sich niedergelegt, so wollte die Meisterjungfer wieder aufstehen; denn sie hätte noch vergessen, das Feuer im Kamin anzuschüren, sagte sie. »Ach behüte!« sagte der Schulze: »solltest Du darum aufstehen? Das will ich wohl thun,« und damit sprang er aus dem Bett und lief nach dem Kamin. »Sage mir's, wenn Du den Aschraker angefasst hast,« sagte die Meisterjungfer. »Nun hab' ich ihn angefasst,« sagte der Schulze. »So gebe Gott, daß Du ihn festhältst, und er Dich, und Du da stehen magst die ganze Nacht und Dir Kohlen und Asche über den Kopf raken bis an den hellen Morgen!« sagte die Meisterjungfer, und als sie das gesagt hatte, blieb der Schulze vor dem Kamin stehen und rakte sich Kohlen und Asche über den Kopf die ganze Nacht hindurch, und wie sehr er auch weinen und bitten und raken mochte, so verloschen darum doch nicht die Kohlen, und die Asche wurde nicht kälter. Erst am Morgen, als es Tag wurde, ließ ihn der Aschraker los; aber nun blieb er keinen Augenblick länger in der Hütte, sondern machte sich fort, als ob der Teufel hinter ihm her wäre; und alle Leute, die ihm begegneten sahen ihn an und lachten; denn er legte los, als ob er toll wäre, und aussehen konnte er nicht schändlicher, wenn man ihn gegerbt und geschunden hätte.
Den Tag darauf kam der Amtsschreiber da vorbei; der sah auch die Hütte im Walde glänzen, und als er hineinging, um zu sehen, Wer da wohnte, und die schöne Jungfrau erblickte, da ward er noch mehr in sie verliebt, als der Schulze, und frei'te stehenden Fußes um sie. Ja, sagte die Meisterjungfer wieder, sie wollte ihn wohl haben, wenn er brav Geld hätte. Ja, sagte der Schreiber, Geld hätte er genug, und er wolle sogleich hin und es holen. Am Abend kam er mit einem großen, schweren Sack an, — ich glaube gewiß, es waren zwei Scheffel drin — und den setzte er auf die Bank hin. Nun war denn weiter Nichts im Wege, und sie legten sich zu Bette. Aber kaum hatten sie sich niedergelegt, so hatte die Meisterjungfer vergessen, die Hausthür zuzumachen, und darum wollte sie wieder aufstehen. »Ach, behüte! solltest Du das thun?« sagte der Schreiber: »Nein, bleib Du nur liegen! ich will wohl hingehen,« und damit sprang er aus dem Bett, so leicht »wie eine Erbse auf Birkenrinde« und lief hinaus auf die Diele. »Sage mir's, wenn Du die Thür angefasst hast,« rief die Meisterjungfer. »Nun hab' ich sie angefasst!« rief der Schreiber auf der Diele. »So gebe Gott, daß Du sie festhältst, und sie Dich, und Ihr hin- und herfahren mögt die ganze Nacht, bis daß es Tag wird!« sagte die Meisterjungfer; und nun mußte der Schreiber die ganze Nacht über mit der Thür vorwärts und rückwärts tanzen; aber einen solchen Walzer hatt' er noch nie gemacht, und es verlangte ihn auch nachher nicht, ihn wieder zu machen: bald war er vorn, und bald die Thür, und es ging von der Pfoste an die Mauer, und von der Mauer an die Pfoste, so daß der Schreiber sich beinahe zu Tode stieß. Erst fing er an zu fluchen, und dann zu weinen und zu bitten; aber um alles das bekümmerte sich die Thür gar nicht, sondern hielt fest, so lange, bis es Tag ward; dann erst ließ sie ihn los — und der Schreiber auf und davon, als ob's für Geld ginge; er vergaß sowohl seine Freierei, als den Goldsack, und war nur froh, daß die Thür nicht hinter ihm her getanzt kam. Alle Leute, die ihm begegneten, sahen ihn an und lachten; denn er flog davon, als ob er toll wäre, und dazu sah er aus, noch schlimmer, als hätten die Böcke ihn die Nacht unter gehabt.
Am dritten Tag kam der Amtmann da vorbei; der hatte kaum die goldne Hütte erblickt, so wollte er auch hin und zusehen, Wer da wohnte; und als er nun drinnen die Meisterjungfer sah und sie kaum gegrüßt hatte, war er schon so verliebt in sie, daß er augenblicklich um sie frei'te. Die Meisterjungfer aber antwortete ihm eben so, wie den beiden Andern: wenn er brav Geld hätte, dann wollte sie ihn wohl haben. Ja, davon hätt' er nicht so wenig, sagte der Amtmann und ging sogleich nach Hause, um es zu holen. Als er am Abend wiederkam, brachte er einen noch größeren Sack mit, als der Schreiber, — es waren gewiß drei Scheffel drin — und den setzte er auf die Bank hin. Ja, nun war denn Nichts weiter im Wege, nun sollte er die Meisterjungfer haben. Kaum aber hatten sie sich zu Bett gelegt, so sagte die Meisterjungfer, sie hätte vergessen, das Kalb einzulassen, und wollte darum wieder aufstehen. Nein, den Kukuk! das sollte sie ja nicht, das wollte er schon thun, sagte der Amtmann, und der, so dick und fett er war, heraus aus dem Bett, so leichtfüßig, als wär' er ein junger Bursch gewesen. »Sage mir's, wenn Du das Kalb beim Schwanz hältst!« sagte die Meisterjungfer. »Jetzt halt ich's!« rief der Amtmann. »So gebe Gott, daß Du den Schwanz hältst, und er Dich, und Ihr in der Welt herumfahren mögt, bis daß es Tag wird!« sagte die Meisterjungfer, und kaum hatte sie das gesagt, so legte das Kalb mit dem Amtmann los über Stock und Stein, über Berg und Thal, so daß die Heide wackelte, und je mehr der Amtmann fluchte und schrie, desto schneller rannte das Kalb mit ihm davon. Als es Tag wurde, war der Amtmann beinahe zu Matsch, und nun erst ließ das Kalb ihn los; inmittlerweile hatte er aber seine Freierei ganz vergessen und seinen Geldsack dazu. Er ließ es nun zwar etwas sachter angehen, als der Schreiber und der Schulz, aber je schulpusiger er fortkroch, desto mehr Zeit hatten die Leute, ihm nachzugucken und zu lachen.
Den Tag darnach sollte auf dem Schloß die Hochzeit der beiden Prinzen gefeiert werden, nämlich die des ältesten und die des jüngsten, der bei dem Riesen gewesen war, denn der sollte die Schwester von der Braut seines Bruders heirathen, und beide Brautpaare sollten in der Kirche zugleich getrau't werden. Als sie aber in den Wagen stiegen und vom Schloßhof fahren wollten, da zerbrach das eine Wachtholz; sie nahmen nun ein andres, aber das zerbrach auch; darauf nahmen sie ein drittes, aber es half ihnen Alles nichts, denn was für Holz sie auch nehmen mochten, so hielt doch kein einziges. Wie sie nun ganz mißmüthig da standen und nicht fortkonnten, sagte der Schulze — denn der war auch mit zur Hochzeit gebeten, musst Du wissen —: »Dort im Walde wohnt eine Jungfrau, die hat einen Aschraker, womit sie das Feuer anschürt; wenn Ihr nur zu der schicken und sie bitten lassen wolltet, Euch diesen Aschraker zu leihen, so weiß ich gewiß, daß er nicht entzwei geht.« Es wurde nun sogleich zu der Jungfrau geschickt, und sie ließen sie bitten, ihnen doch den Aschraker zu leihen, wovon der Schulz gesprochen hätte. Die Jungfrau sagte auch nicht Nein, sondern gab dem Boten ihren Aschraker, und nun bekamen sie eine Wacht, die nicht entzwei ging, kannst Du glauben. Als sie aber darauf vom Schloßhof fahren wollten, zerbrach plötzlich der Wagenboden; und wie oft sie auch einen neuen Boden machten, und was für Holz sie auch dazu nehmen mochten, so half doch Alles nichts, denn wenn sie aus dem Hof fahren wollten, ging er jedesmal wieder entzwei, und sie waren nun noch übler daran, als vorhin mit dem Wachtholz. Endlich sagte der Amtsschreiber — denn war der Schulze da, so kann man sich wohl denken, daß der Schreiber nicht fehlen durfte —: »Dort im Walde wohnt eine Jungfrau, wenn die Euch bloß ihre eine Halbthür leihen wollte, die von lauter Gold ist, so weiß ich gewiß, daß sie nicht entzwei geht.« Sogleich wurde nun wieder zu der Jungfrau geschickt, und sie ließen sie bitten, ihnen doch die eine Halbthür zu leihen, wovon der Schreiber gesprochen hätte, und die bekamen sie denn auch. Nun war Alles gut, und sie wollten nach der Kirche fahren; aber da waren die Pferde nicht im Stande, den Wagen fortzuziehen; sechs Pferde hatten sie schon davor; dann spannten sie acht vor, dann zehn, dann zwölf; aber wie viel sie auch vorspannten, und wie sehr der Kutscher auch peitschen mochte, es half Alles nichts, der Wagen rührte sich nicht vom Fleck. Es war nun schon ziemlich spät geworden, und zur Kirche wollten und mußten sie, und wie sie nun gar keine Möglichkeit sahen, fortzukommen, waren sie alle nahe daran, zu verzweifeln. Zuletzt aber sagte der Amtmann, dort im Walde wohne eine Jungfrau, die hätte ein Kalb, welches — ja, wenn sie bloß das Kalb geliehen bekämen, sagte er, das würde den Wagen schon ziehen, und wenn er so schwer wäre wie ein Berg. Sie meinten nun zwar, es sähe nicht hübsch aus, mit einem Kalb zur Kirche zu fahren; aber es war einmal kein andrer Rath, sie mußten wieder zu der Jungfrau schicken und sie bitten lassen, ihnen doch das Kalb zu leihen, wovon der Amtmann gesprochen hätte. Die Meisterjungfer sagte auch diesmal nicht Nein, sondern gab dem Boten sogleich das Kalb. Da sie es nun vorgespannt hatten, saus'te der Wagen davon über Stock und Stein, durch Rusch und Busch, so daß sie kaum Athem holen konnten; bald waren sie auf der Erde, und bald waren sie in der Luft; und als sie zur Kirche kamen, flog der Wagen rund um die Kirche, so schnell wie ein Haspel, und es gelang ihnen nur mir genauer Noth, herunterzukommen. Auf dem Rückweg aber ging's noch schneller, und sie hatten fast alle die Besinnung verloren, als sie wieder auf dem Schloßhof ankamen.
Als sie sich zu Tische gesetzt hatten, sagte der Königssohn — der, welcher auf dem Riesenschloß gewesen war — es schicke sich nicht anders, als daß sie auch die Jungfrau einlüden, die ihnen den Aschraker, die Halbthür und das Kalb geliehen; »denn hätten wir die drei Dinge nicht erhalten, so wären wir noch nicht von der Stelle gekommen,« sagte er. Ja, das, däuchte dem König auch, wäre nicht mehr, als billig, und er schickte sogleich fünf von seinen Leuten zu der vergoldeten Hütte mit einem Gruß von ihm, und die Jungfrau möchte doch so gut sein, und aufs Schloß kommen und da zu Mittag essen. Die Jungfrau aber antwortete: »Grüßt nur den König wieder von mir und sagt ihm, wenn er sich zu gut dünke, um selbst zu mir zu kommen, so dünke ich mich auch viel zu gut, um zu ihm zu kommen.« Nun mußte der König sich denn selbst aufmachen, und da ging die Jungfrau auch sogleich mit. Der König aber konnte sich wohl denken, daß sie etwas Mehr war, als sie zu sein schien, und setzte sie darum bei Tafel oben an bei dem jüngsten Bräutigam. Als sie nun eine Weile gesessen hatten, nahm die Meisterjungfer den Hahn und das Huhn und den goldnen Apfel hervor, welche drei Dinge sie aus dem Riesenschloß mitgenommen hatte, und legte sie vor sich auf den Tisch hin; und sogleich fingen der Hahn und das Huhn an, sich um den goldnen Apfel zu schlagen. »Ei seht doch, wie die Beiden da um den goldnen Apfel kämpfen!« sagte der Königssohn. »Ja, so hatten wir beide damals auch zu kämpfen, um aus dem Berg zu kommen,« sagte die Meisterjungfer. Da erkannte der Königssohn sie wieder, und seine Freude war unbeschreiblich; die Trollhexe aber, die ihm den goldnen Apfel zugerollt hatte, ließ er von vier und zwanzig Pferden in Stücke zerreißen, so daß kein Fetzen an ihr ganz blieb; und nun begann erst die rechte Hochzeit; und der Schulz und der Schreiber und der Amtmann, so sehr sie sich auch die Flügel versengt hatten, waren auch mit dabei und hielten aus bis zuletzt.
17.
Wohl gethan und schlecht gelohnt.
Es war einmal ein Mann, der fuhr mit einem Schlitten in den Wald und wollte sich Holz holen; da begegnete ihm der Bär. »Gieb mir Dein Pferd, oder sonst zerreiß ich alle Deine Schafe diesen Sommer,« sagte der Bär.
»Ach, Gott steh mir bei!« sagte der Mann: »ich habe kein Stück Brennholz mehr im Hause; laß mich bloß erst diesen Schlitten heimfahren, denn sonst müssen wir alle todtfrieren; morgen will ich mit dem Pferd wiederkommen.« Na, der Bär ließ ihn denn auch fahren; wenn er aber nicht wiederkäme, sagte er, dann sollt's kaputt gehen mit all seinen Schafen im Sommer.
Der Mann fuhr nun mit seinem Holz nach Hause; aber er war nicht sehr vergnügt über den Accord, wie man sich wohl denken kann. Unterweges begegnete ihm der Fuchs.