„Wen habet ihr liegen und auf der Flucht gesehen?“

„Uns — die wir den Sieg behalten hatten vom ersten Sprung auf den deutschen Boden an — Nördlingen ausgenommen.“

„Und wer, saget ihr, hat euch niedergeleget?“

„Der Brandenburger, Frau. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm, der Fürst von Homburg mit dem silbernen Bein, und der Derfflinger, Frau. Ja, da möcht’ ich wahrlich wohl lügen, wenn es anginge! Die Brandenburger haben das Feld behalten.“

„Sehet ihr, Schwen, da habe ich euch schon! Eine solche Völkerschaft, als ihr da nennet, gibt es gar nicht! Nun verantwortet euch noch einmal vor Gott und den Menschen; da vor der Aloysia, und vor den Kindern drunten im Ort, die sich nach euch schier die Augen aus dem Kopfe gegreint haben.“

„Frau, bringet mich nicht auch zum Greinen! Ach, ich wollte, ihr könntet den Wrangel fragen, dem würdet ihr ja wohl glauben; denn er war ja hier bei euch Anno siebenundvierzig. Wisset ihr nicht, wie er Bregenz da unten nahm, und wie wir über den Pfänder aus purem Übermut zu euch auf Besuch kamen, und wie ihr uns so übel aufnahmet am roten Egg?! O Frau Fortuna, jetzo lieget der Wrangel tief zu Boden; und obgleich euch die Geschichte dort bei Fehrbellin nicht so nah’ auf die Haut brennt, als der Bregenzer Sturm, so möget ihr wohl noch ärger Viktoria schreien, als damals am Fallenbach über unseren blutigen Leibern. Auf Ehr’ und Gewissen, Frau Fortuna, die Brandenburger haben den großmächtigen Konnetable Wrangel niedergeleget in dem Rhinluch, und der Generalfeldmarschall Derfflinger hat über mich gelacht nach der Schlachtung und mich aus Spaß ranzionieret auf dem Markte zu Fehrbellin, als ich mich bei ihm bedankte, weilen er mich auf der Rathenower Brück’ nur mit der Faust traktierete. Er hat mir auch sechs Brandenburger Taler aus Generosität geschenkt, damit bin ich heimkommen zu euch; — ach Gott! ohne den Rolf, den tapfern Herzbruder, den Korporal Rolf Rolfson Kok, den die Spießbürger zu Lindau das Gockele nannten und zum Hafenvogt gemacht hatten, weil sie nicht wußten, was er wert war. Ach Gott, wir haben ja beid’ zusammen das Heimweh zu Lindau in der Krone gekriegt; aber ich allein bin zurückkommen von unserem Marsche zu den Fahnen; — der gute Korporal Rolf Rolfson Kok, der liegt verscharrt an der Landwehr bei Hackeberg.“

Die alte Taubenwirtin und Oberkommandantin vom Fallenbach schüttelte bedenklicher denn je den Kopf:

„Jetzt wär’s mir am End’ gar noch ein Gaudium, wenn ich ihm glauben dürft’“, murmelte sie. „Als wir um die Weihnacht sechsundvierzig allhier bei Tag und Nacht zu Haufen standen und bei Tage den Rauch, bei Nacht den roten Feuerschein rund um den See sahen, da war’s ja freilich der Wrangel der uns die grausame Angst, das Zittern und Beben schuf. Schwen, Schwen, euch traue ich noch lange nicht; aber wenn das wahr wär’ mit dem Wrangel — — — Schwen, ich sage euch, ich erfahr’ es noch, ob es wahr ist, daß es solch’ ein Volksspiel gibt, von welchem ihr gelogen habt und was euch eure Sünden so derb heimzahlte! Ich erfahr’ es, und nachher wollen wir weiter sehen.“

„Geträumt habe ich es nicht, Frau, verlasset euch drauf; obgleich es mir jetzo wahrlich so zu Mute sein könnt’, als sei das alles, was ich erleben mußte auf dem Marsche, nur das Gespinste einer boshaftigen Trold gewesen, so sie mir nächtlicher Weile über den Kopf und das Hirn geworfen hätt’. Ich hab’ wahrhaftig nicht gewußt, wie weit ich von euch und der Aloysia und den Kindern abkäm’, als ich euch vor’m Jahr auf dem Gebhardsberg bei den Gevatterinnen ließ und allein meines Weges am See hin lustwandeln ging! Ich konnt’ es doch sicherlich nicht wissen, wer zu Lindau auf der Hafenmauer sechsundzwanzig Jahre lang auf mich wartete! Und dann — dann war da die Krone, und der vom Regiment Strozzi, der Titinio Raffa, und die Kugel — unsere Kugel am Gebälk, und das Bildnis des Feldmarschalls — unseres Feldherrn! Saget selber, wie weit wäret ihr gelaufen, Frau Fortunata, wenn euch das Heimweh also ans Herz gegriffen hätt’? Und saget, bin ich nicht um euch heimkommen, als alles aus war, in alter Freundschaft und Dankbarkeit?“

„Nun soll ich ihm gar noch eins drauf zu gute tun“, sprach die Frau Wirtin zur Taube, aber der Korporal Sven Knudson Knäckabröd faßte jetzt plötzlich ihre Hand, schüttelte sie wacker und rief: