„Un dat is de Geschicht, min Sähn,“ säd min Unkel Matthies un stunn up,[1116] „un wenn Du klauk[1117] büst, denn kannst Du Di jo dornah richten.“

Ick stunn ok up un stellt mi an ’t Finster un let mi de Geschicht dörch den Kopp gahn un dreiht[1118] mi denn endlich üm un säd: „„’Ne dämliche Geschicht, Unkel! Du hest süs all betere[1119] Geschichten vertellt.““ — „Ja,“ lacht de Oll, „wil ick Di süs de Nutzanwenning glik[1120] mit gaww, un hir sallst Du sei säuken.“[1121] — „„Du wardst doch nich glöwen,““[1122] segg ick, „„dat ick min Brut ehr Huw’ in ’ne Waschschöttel stippen und mit ehren siden Dauk den Disch afwischen ward?““ — „Du kannst ’t jo mal probiren,“ lachte de olle Spitzbauw’.[1123] — „„Na,““ segg ick, „„dat fehlt mi noch, denn wir ick just bet an den Hacken.““[1124] — De Oll[1125] grint[1126] nu ümmer so vör sick hen, un as ick so bi mi denk: oll Lüd’ sünd wunderlich, wenn ’t regent,[1127] führen[1128] s’ tau Heu, seggt hei: „Jung’, wo olt[1129] büst Du denn eigentlich?“ — Von min Öller[1130] müggt[1131] ick nu in min Brüjamstid[1132] nich recht wat hüren,[1133] un ick denk bi mi: Haha! fangst du all wedder mit den Peper[1134] an? un ick frag’: „Worüm meinst Du?“ — „„Oh,““ seggt hei, „„ick mein’ man.““ — „Denn lat[1135] Di seggen,“ segg ick etwas scharp,[1136] „ick bün den letzten säbenten[1137] November ein un virtig Johr west.[1138]“ — „„Also,““ seggt hei, „„dörch de Virtigen büst Du dörch?““ — „Ja,“ segg ick, „is Di dat villicht nich tau Paß?“ — „„För minentwegen!““ seggt hei. „„Mi föllt dorbi man dat Sprückwurt in: wer in de Twintigen[1139] nich schön is, in de Dörtigen[1140] nich stark, in de Virtigen nich klauk[1141] un in de Föftigen[1142] nich rik,[1143] de kann ’t man sin laten,[1144] ut den ward nicks. Un Du schinst[1145] mi in de Virtigen noch nich klauk tau sin.““ — „Unkel Matthies,“ säd ick un richt’t mi stur in Enn’,[1146] „wer mi för dumm köfft,[1147] de ward bedragen;“[1148] un dorbi[1149] müßt ick woll man en sihr dämlich Gesicht maken, denn min Unkel lacht un säd: „„Un kannst bi Alledem för Di kein Nutzanwenning ut de Geschicht finnen! Jung’, dat is jo man en Glikniß:[1150] Wat de Smid mit den Dauk un den Pott un den Kamm upführt[1151] hett, dat paßt sick nich för Di; dat weit ick woll. Du möst natürlich wat Anners anstellen. Tau ’m Exempel: trugst[1152] Du Di woll tau, in Dinen Öller[1153] noch vör de Hochtid en Stückerner drei[1154] schöne dumme Streich uptauführen?““ — „Dumme Streich?“ frag ick. — „„Dumme Streich!““ seggt min Unkel, un ick gah nu in de Stuw’ up un dal un äwerlegg[1155] mi de Sak un dreih[1156] mi endlich üm un segg: „Ja; ick glöw’,[1157] Unkel, ick krig’ in aller Geswindigkeit noch en por taurecht.“ — „„Denn mak sei,““[1158] seggt min Unkel. — „Un Du meinst, ick ward dordörch Herr in den Hus’ bliwen?“ — „„Min Sähn, ick glöw’ dat. — Dumme Streich — nich slichte![1159] — Süh, wenn sei denn an tau schellen[1160] fangt, denn fall ehr üm den Hals un küß sei recht düchtig un segg: Lat man sin, lat man sin! Seih äwer[1161] de Geschichten weg, seih leiwer[1162] up min Hart,[1163] dat hürt[1164] Di un sleiht[1165] för Di von nu bet[1166] in alle Ewigkeit. — Un denn Jung’,““ sett’t hei hentau,[1167] „„denn kannst Du jo ok noch den Fautfall anbringen — denn Du magst seggen, wat Du willst — de hürt nu einmal dortau.““

Ick äwerläd[1168] mi de Sak nu hen un her un säd denn endlich tau mi: „Hei ’s din Mutter-Brauder un sallst em dorin tau Willen sin un sallst en por maken! un ick makt sei ok richtig.

Ick künn nu hir de Geschichten vertellen, de ick anstellt[1169] heww, ward mi äwer woll häuden.[1170] Dat Unglück künn sinen Gang gahn, un de Vertellung[1171] künn in mine Fru ehr Hänn’[1172] fallen un sei künn mäglich[1173] marken,[1174] dat all dese Stückschen[1175] afkortet[1176] west sünd, un dat sei in ehre Gaudheit anführt worden is, un sei künn seggen: „Holt![1177] dit Spill[1178] gelt[1179] nich; Du hest mit Fisematenten spelt.[1180] Ick will mal de Korten[1181] mischen. — So! de Vörhand heww ick, un nu man ’rut! Bedein’[1182] mi desen un bedein’ mi jennen! Un nu will wi mal seihn, ob Du ut den Ganten büst?“[1183]

Äwer männigmal,[1184] wenn sei nu so as min Fru still un flitig[1185] üm mi herümme geiht un för mi allerwegen sorgt un mi in ehre Fründlichkeit nahgiwwt,[1186] denn denk ick doch so bi mi: „Schäm’ di, dat du mit Hinnerlistigkeit tau Wark gahn[1187] büst!“ un ick säd nilich[1188] tau minen Unkel: „Weißt wat? Ick vertell ehr, wo ’t[1189] mit de dummen Streich vör de Hochtid tausamen[1190] hängt.“ — „„Plagt hei Di?“““ fröggt min Unkel. „„Jede rechtschaff’ne Kirl möt af un an en gauden dummen Streich un en gauden Witz maken; äwer hei darw sei nich sülwst wider vertellen, denn denn[1191] verliren sei all’ beid’ ehre Kraft. Ji lewt jo[1192] glücklich, dormit wes taufreden.““[1193] — „Je,“ segg ick, „dat seggst Du; äwer mi is männigmal so tau Maud’,[1194] as wenn wi noch glücklicher lewen künnen, wenn sei dat Regiment hadd.“ — „„Min Sähn,““ säd min oll Unkel Matthies un läd[1195] mi de Hand up de Schuller,[1196] „„all dat Glück, wat up dese Ird[1197] mäglich is, föllt meindag nich in eine Hand herinne, begnäug’[1198] Di mit dat, wat Du hest. Un wat den Ehstand anbedrapen deiht,[1199] hest Du den ollen Jochen Smitten[1200] noch kennt? Den ollen Jochen Smitt mein ick, de mit sine olle Fru achtig Johr olt[1201] würd, un nahsten[1202] mit ehr tausamen an einen schönen Sommer-Sünndagmorrn begrawen würd. Na, de säd mal tau mi — denn ick sülwst verstah nicks von de Sak — „Herr Wachtmeister,“ säd hei, de Ehstand is as en Appelbom,[1203] dor sitt Einer in[1204] un plückt un plückt; äwer de schönsten un rodsten Appel[1205] sitten in de Spitz, dor langt Keiner ’ranne, denn dor is de Natur tau kort[1206] tau. Wenn nu Einer unverstännig is, un mit Gewalt de Appel krigen will, denn halt[1207] hei sick en Staken[1208] un hau’t de schönen Appel ’run, äwer ok taunicht,[1209] un hau’t de Telgen[1210] dorbi af, woran de besten Dragknuppen[1211] för de Taukunft sitten; de vernünftig Mann lett[1212] sei ruhig sitten un täuwt[1213] bet up den Spätharwst,[1214] denn[1215] fallen sei em von sülwst in den Schot,[1216] un denn smecken sei vel säuter.“[1217] — Un dorüm Jung’,““ sett’t[1218] min oll Unkel hentau[1219] un sin oll irnstfast Gesicht sach ok gor tau truhartig ut,[1220] „„kläter[1221] Din roden Appel nich vör de Tid[1222] von den Bom, und täuw’ bet tau ’m Spätharwst — Din wohrt[1223] jo nich lang’ mihr — un wenn Du Din Fru den letzten schönen Appel bringst, denn vertell[1224] ehr ok de Geschicht von Din’ dummen Streich vör de Hochtid, denn sallst Du seihn, denn freut sei sick doräwer.““



Albert Roderich: