Nun denn, so sollen sie die Geschichte haben.

Ich sann – – ich begann:

»Es war einmal ein großer, großer Wald gewesen. Und in dem Wald war es allweg finster gewesen. Keine Vöglein haben gesungen: nur der Totenvogel hat geschrien. Wenn aber doch die andern Vögel auch gesungen, da haben auf den Bäumen alle Äste und alle Blätter vieltausend Thränen geweint. Mitten in diesem Wald ist eine Heide, wie der Totenacker so still, und wer über dieselbe hingeht und nicht umkehrt, der kommt nicht mehr zurück. Über diese Heide sind einmal zwei blutige Knie gegangen.«

»Jesses Ma–!« rief mein älteres Schwesterlein aus, und alle Drei krochen unter die Kotzen.

»Ja, zwei blutige Knie,« fuhr ich fort, »und die sind über die Heide dahin geschwebt gegen den finsteren Wald, wie eine verlorne Seele. Aber auf einmal sind die zwei blutigen Knie –«

»Ich schenk' Dir mein blaues Hosenband, wenn Du still bist!« wimmerte mein Bruder angstvoll und verbarg sich noch tiefer in die Decke.

»– sind die zwei blutigen Knie stillgestanden,« fuhr ich fort, »und auf dem Boden ist ein Stein gelegen, so weiß, wie ein Leichentuch. Dann sind zwei funkelnde Lichtlein gewesen zwischen den Bäumen, und darauf sind vier andere blutige Knie dahergeschwebt.« –

»Mein neues Paar Schuh' schenk' ich Dir, wenn Du aufhörst!« hauchte das Jakoberle in seinem Trog und zog aus lauter Furcht das Zeitzerl am Barte zu sich.

»Und so sind alle sechs zusammengegangen durch den finsteren Wald und heraus auf die Heide und über das Haferfeld herab zu unserem Hause – und herein in den Stall –«

Jetzt kreischten alle Drei auf, und sie wimmerten und wußten ihrer Angst kein Ende, und klein Schwesterlein versprach mir mit Zagen seinen Teil von dem auch heuer wieder zu erwartenden, morgigen Sonnwendkuchen, wenn ich aufhöre. Ich aber fuhr fort: