»Um meinen Buben bist da?« entgegnete mein Vater, »den magst wohl haben, den werden wir leicht entraten; halt ja, er ist gar so viel schlimm.«

Bauersleute reden gern so herum, um ihre vorwitzigen Kinder zu necken und einzuschüchtern. Allein der Fremde sagte: »Nicht so, Bauer, gescheiter Weis'! Die Drachenbinderin will was aufschreiben lassen, ein Testament oder so was, und sie weiß weit und breit Keinen zu kriegen, der das Schreiben thät verstehen. Jetzt, da hat sie gehört, der Waldbauer im Vorderschlag hätt' so ein ausbündig Bübel, dem solch' Ding im kleinen Finger stecken thät; und so schickt sie mich her und läßt Dich bitten, Bauer, Du sollst die Freundschaft haben und ihr Deinen Buben auf einen Tag hinüberleihen; sie wollt' ihn schon wieder fleißig zurückschicken und ihm was geben zum Lohn.«

Wie ich das gehört hatte, klopfte ich mit den Schuhspitzen schon ein wenig an den Tischschragen – das thäte mir gleich nicht übel gefallen.

»Geh,« sagte mein Vater, da er auf einem Backen bereits glatt gekratzt war, »wie könnt' denn mein kleiner Bub' jetzt im tiefen Winter in die Stanz gehen, ist ja völlig vier Stunden hinüber!«

»Freilich wohl,« versetzte der große Mann, »deswegen bin ich da. Er steigt mir auf den Buckel hinauf, thut die Füß' auseinander, legt sie mir zu beiden Seiten an den Rippen nach vorn, wo ich sie anfaß', und mit den Händen halst er mich, wie eine Liebste, daß er nicht mag rückwärts hinabfallen.«

»Versteh's schon,« drauf mein Vater, »ist nicht nötig, daß du mir das Buckelkraxentragen so auslegst.«

»Nu, und nachher wird's wohl gehen, Waldbauer, und wenn der Sonntagabend kommt, trag' ich Dir ihn wieder in's Haus.«

»Je nu, dasselb' weiß ich wohl, daß Du mir ihn wieder redlich zurückstellst,« sagte mein Vater, »und wenn die Drachenbinderin was will schreiben lassen, und wenn Du der Drachenbinderin ihr Knecht bist, und wenn mein Bübel mit Dir will – meinetwegen hat's keinen Anstand.«

Diese letzten Worte hatte er bereits mit glattem, verjüngtem Gesichte gesprochen.

Eine kleine Weile nachher stak ich in meinem Sonntagsgewand; glückselig über die Bedeutung, die ich so plötzlich erlangt hatte, ging ich in der Stube auf und ab.