Ein Blitz – so erzählte nun der Mann, der uns geweckt hatte, der Schaf-Gistel war's – wäre etlichemal hin- und hergezuckt, hätte ein Trudenkreuz auf den Himmel geschrieben und wäre dann niederwärts gefahren. Er wäre aber nicht mehr ausgeloschen, der lichte Punkt an seinem untern Ende wäre geblieben und rasch gewachsen, und da hätte sich er, der Mann, gedacht: Schau Du, jetzt hat's den klein Maxel troffen.
»Wir müssen doch schauen gehen, daß wir was helfen mögen,« sagte mein Vater.
»Helfen willst da?« versetzte der Andere, »wo der Donnerkeil d'reinfahrt, da rühr' ich keine Hand mehr. Der Mensch soll unserm Herrgott nicht entgegenarbeiten, und wenn der einmal einen Himmletzer (Blitz) auf's Haus wirft, so wird er auch wollen, daß es brennen soll. Hernachen mußt wissen, ist so ein Einschlagets auch gar nicht zu löschen.«
»Deine Dummheit auch nicht,« rief mein Vater, und zornig, wie ich ihn noch selten gesehen hatte, schrie er dem Gistel in's Gesicht: »Du bist blitzdumm!«
Ließ ihn stehen und führte mich an seiner Hand rasch davon. Wir stiegen in's Engthal hinab und gingen am Fresenbach entlang, wo wir das Feuer nicht mehr sehen konnten, sondern nur die Röte in den Wolken. Mein Vater trug einen Wasserzuber bei sich, und ich riet, daß er denselben gleich an der Fresen füllen solle. Mein Vater hörte gar nicht d'rauf, sondern sagte mehrmals vor sich hin: »Maxel, aber daß Dich jetzt so was treffen muß!«
Ich kannte den kleinen Maxel recht gut. Es war ein behendiges, heiteres Männlein, etwa in den Vierzigern; sein Gesicht war voll Blatternarben, und seine Hände waren braun und rauh wie die Rinden der Waldbäume. Er war seit meinem Gedenken Holzhauer in Waldbach.
»Wenn einem Andern das Haus niederbrennt,« sagte mein Vater, »na, so brennt ihm halt das Haus nieder.«
»Ist's beim klein' Maxel nicht so?« fragte ich.
»Dem brennt alles nieder. Alles, was er gestern gehabt hat und heut' hat und morgen hätt' haben können.«