Die beiden Anderen schlugen dazu mit ihren knochigen Fäusten auf dem Tisch die Trommel.
Der Harfner brach sein Spiel ab und sagte: „Es thut mir doch das Brautpaar leid, daß man ihm eine solche Kriegsmusik macht.“
„Möglicherweise fangt ihnen jetzt der dreißigjährige Krieg an,“ lachte Kilian.
„Hätte ich hier was d’reinzureden,“ versetzte der Harfner und schüttelte seinen grauen Kopf, „so wollte ich sagen: So ein Spaß gehört sich nicht. Wenn man jungen Eheleuten allemal das Schlechte voraussagt, so meinen sie nachher, es muß so sein, und suchen und finden überall Schlechtes. Wie ich vor zweiunddreißig Jahren die Meinige genommen, ist auch Gefahr gewesen, aber ihre Mutter hat frisch gesagt: Ihr mögt thun, was Ihr wollt, Ihr Zwei gehört zusammen; Ihr mögt voneinander fliehen und Euch verfolgen und Leid anthun, es wird vergebens sein, Ihr werdet Euch lieb haben. Ihr werdet auswendig Elend und Kümmerniß haben, Ihr werdet miteinander weinen, aber Ihr werdet glücklich sein. – So hat sie gesagt, so ist es geworden und so will ich es auch Euch wünschen.“
Dieser Worte wegen schauten sie mit Wohlgefallen auf den alten Harfner; nur der Hans nicht, der lugte durch das kleine Fenster hinaus. Draußen über den finsteren Tannen standen jetzt die Sterne des Himmels; ihretwegen blickte der Mann wohl nicht hinaus. Ob er nicht an das Weib des Jägers Franzinger dachte? Er möchte sie fliehen, verfolgen, möchte ihr Leid anthun und muß doch an sie denken...
Jetzt zog der Hans ein Horn aus der Tasche, ließ daraus Pulver in seine Hand rinnen, that dasselbe in das Rohr seiner wieder aus dem Verstecke geholten Flinte, ließ dann eine Bleikugel hineinrollen und verstopfte das Rohr mit Papier, das er mit dem Ladestock hineinstieß. Dann prüfte er den Hahn und starrte wieder zum Fenster hinaus.
„Jetzt sollt Ihr uns aber auch Eins singen,“ sagte Kilian zum Harfner.
Der Alte schaute besorgt drein und that hernach die Frage: „Nicht wahr, Ihr guten Leute, die Meinige hat eine warme Decke?“
„Den Bärenpelz, der inwendig mit Schafspelz gefüttert ist,“ antwortete der Köhler. „Unter solchen Thierhäuten kann Keiner erfrieren.“
„Dann singe ich gern und sing’ Eins für die liebe Jugend,“ sagte der Alte, griff in die Saiten und begann zu singen: