»Geh, Freund, laß mir diese Einbildung,« sagte der Michelwirt, »wenn ich sonst nimmer aus weiß, flüchte ich zu ihr. Sie ist mein Extrastübel.«

»So sollst es haben, dein Extrastübel.«

»Und lachest mich doch heimlich aus. Aber es ist einmal so. Ich sag dir, es ist so. Jeder kann sich die Welt machen, wie er sie haben will. Er denkt sie so.«

»Nicht einmal eine Kegelkugel lauft, wie man sie schiebt, und erst die Weltkugel wird laufen, wie man’s denkt!« sagte der Förster. »Was hilft’s, wenn ich mir zehnmal denke, die Waldbäume sind frisch und gesund, wenn sie doch ihre Wunden haben und dieser verdammte Pechschaber wieder da ist. – Was hilft’s, wenn ich mir denke, meine Buben sind unschuldige Kinder, dieweil sie doch schon brandluntenheiß verliebt sind.«

»All zwei?«

»Wenigstens der eine für zwei, der Friedl.«

Der Michelwirt spielte ein erschrockenes Gesicht und antwortete: »Verliebt! Um des Himmels willen, wird doch das nit sein! Ein zwanzigjähriger Bursch verliebt! Das ist unerhört.« Dann sprang er über: »Sag mir, Rufmann, hast du nie ein Liebeslied gesungen? Wie singen sie sich denn am schönsten, allein oder zu zweien?«

»Du hast recht, du hast recht,« sagte der Förster, denn nun hatte er den Wirt dort, wo er ihn brauchte.

»Michel, tut dein Töchterl, die Helene, auch gern singen?«

»Das kannst dir denken. Aber nur, wenn’s niemand hört. Mir scheint, das Mädel schämt sich, daß es singen kann.«