Die Mühlen kamen ganz vorschriftsmäßig, aber bei der dritten war zuerst einmal kein Berg da, an den man hätte hinan können. Ich ging über den Steg, auf welchem menschliche Tritte eingedrückt waren. Diesem Pfade folgte ich bis zum Bergabhang, und quer die Lehne hinan zwischen Buschwerk und schütteren Baumbeständen, die alle ihre spitzen Schneehauben aufhatten und bisweilen eine ganze Wucht auf den Wanderer niederstäubten.
Und bei diesem mühsamen Ansteigen in der Stille des lautlos schneienden Nebels, da ist’s mir in den Sinn gekommen! Wie einsam! Wie einsam doch mancher Mensch sein muß auf dieser Welt! —
Und sehe ich auf einmal durch den Schneestaub vor mir einen Menschen. Unter einem Lärchbaum auf dem Schnee ist er gesessen. Ein Mann war’s, tief in sich zusammengeknickt, auf der Achsel hatte er ein Doppelbündel, eins hinten und eins vorn. Ein vollgepfropfter Mehlsack, allem Anschein nach wesentlich schwerer, als mein Handbündel. Der Mann schnaufte, wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn und schnaufte und schnaufte. Jung war er nicht mehr.
Ich trat ganz zu ihm hin: „Was meint der Vater, wenn wir Bündel tauschen thäten?“
Er atmete.
„Darf ich euch nicht helfen tragen?“
„Vergelt’s Gott. Wer was hat, der — der soll’s auch selber tragen.“
„Der Vater kann ja kaum schnaufen!“
„Ist wahr, ist wahr. Der Lungendampf.“
Da habe ich ihm den Mehlsack abgenommen. Vor mir ist das Männlein mit dem Stock und den unsicheren Beinen im flaumigen Schnee aufwärts gestiegen. Immer stehen bleiben hat er müssen, und atmen, immer atmen. — Und zu dieser Stunde, mein Alfred, hat’s in mir einen Schnapper gemacht.