Fünfter Sonntag

Adamshaus, am fünften Sonntage.

Dank, mein Freund, und ewigen Dank für dein Schreiben, für deinen Zuspruch. Weil du mich nur keinen Thoren genannt hast. Alles andere erträgt sich. An meiner Willenskraft, hoffe ich, wird’s nicht fehlen. Einmal ein Jahr lang zu unserm Herrgott in die Schule gehen! Ein besseres Wort hättest du mir nicht können sagen. Und daß mich wohl das Mitleid in dieses Haus gebracht hätt’, stimmt auch zur Not.

Wie vor ein paar Wochen einem erschöpften Mann der Mehlsack abgenommen und herauf zu seinem Hause getragen worden ist, das weißt du. Es war der Adamshauser, von dem vorher der Schullehrer gesprochen. Sein Hof, hoch an der Bergstirn, liegt unter alten Ahornen fast stattlich da. Als wir ins Haus traten, wies der Bauer mit beiden Händen auf mich und rief in kurzen Atemstößen seinem Weibe zu: „Der da! Wenn er hätt’ wollen, hätt’ er mir mit meinem Mehl zum Teuxel gehen können. Ich wär’ ihm heut’ nit nachgelaufen. Weil’s mich wieder hat. Meinen Rauch, Mutter!“

Gab das Weib zurück: „Wie ich halt sag! Weltfremde Leut’ sind immer einmal besser, als wie die lieben Nachbarn.“

Dann nahm sie eine Blechpfanne mit glühenden Kohlen, that getrocknetes Kraut hinein, hielt sie dem Manne, der in einen Lehnstuhl gesunken war, vors Gesicht. Den aufsteigenden Rauch atmete er ein. So ein paar Minuten lang, dann stemmte er die Hände seitlings an die Brust, atmete hoch auf und sagte: „Gott sei Dank, vorbei ist’s wieder!“

Nun mischte ich mich mit der Frage ein, was sie denn in der Pfanne verbrannt hätten?

„Hexenkraut!“ antwortete das Weib.

„Ist nit so schlimm wie der Name,“ setzte der Mann bei, „für den Lungendampf gar kein besseres Mittel. Jetzt sollt Ihr wohl Euren Rock austhun und rasten. Und die Stiefel abklopfen, sonst thun sie so viel nassen. Endlich ist er doch da, der Winter. Das Jahr hat man schon gemeint, es kommt keiner.“