Unsers Herrgotts Schule! Nein, geschwänzt werden soll sie nicht. Dein

Hans.

Siebenter Sonntag

Am siebenten Sonntage.

Lieber Freund und Philosoph!

Was treibst du um drei Uhr morgens? Ich vermute, du gehst um diese Zeit von einem Balle heim, oder stoßest in einem Kaffeehause die Billardkugeln hin und wieder. Oder liegst doch schon solide in den Federn und bereitest dich durch das Werk eines großen Denkers und eine wohl abgelegene Cigarre auf ein sanftes Einschlafen vor. — Bei mir im Adamshause macht sich diese späte Abendstunde dadurch bemerkbar, daß mein Dienstherr mit einem Holzscheit an die Kammerwand pocht: Zum Aufstehen ist’s! — Anfangs habe ich dieses Scheit furchtbar tragisch genommen und bin aus dem Stroh gesprungen, als wäre eine Feuersbrunst ausgebrochen. Jetzt lasse ich den guten Adam schon zweimal pochen, gestern sogar ein drittesmal, bis er den Ruf thut: „Hansel! Ich denk, jetzt wär’s nimmer zu früh!“

Meine Taschenuhr zeigte ein Viertel auf Vier!

Von der Kälte spricht man hier nicht viel. Das einzige Barometer, von dem man redet, ist die Gicht. Beim frostigen Aufstehen spitzt sich ein lebhaftes Verlangen nach der heißen Einbrennsuppe. Nichts da! Vorher heißt’s auf der Tenne drei Stunden Hafer dreschen. Das Kerzenlicht hängt am Wandnagel und zwinkert sozusagen beständig mit den Augen, wenn unsere Flegel durch die Luft sausen. Zu deinem Unterrichte: Die Tenne ist vollbelegt mit Hafergarben. Unser vier, der Hausvater, die Hausmutter, die Barbel und ich, jedes die Hände mit schafwollenen Fäustlingen bekleidet, hauen rhythmisch wie eine Klopstocksche Ode in Trochäen auf das Gestrohe los, damit dieses die letzten Körner hergiebt und weich wird zum Rinderfraß. Die Erlernung der Kunst, Stroh zu dreschen, hat dem alten Journalisten verhältnismäßig wenig Mühe gekostet.