Der Rocherl lachte hell auf.
„Hau!“ rief die Mutter, „wenn du Leut’ auslachen kannst, Bub, da thut dir leicht die Hand nit weh? Jeder Mensch ist, wie ihn Gott erschaffen hat!“
„Thut’s warten mit dem Gespött, bis ich erst fertig bin,“ sagte der Hausvater. „Die Wildnis wär’ ausgerottet. Jetzt muß halt der Boden glatt gemacht werden. Nachher wird er schön sein, der Hansel!“
Die Sache war, daß er mich noch einmal in die Arbeit nahm. Mit grober Unschlittseife schäumte er mich ein, und dieweilen diese Tünche trocknete, schliff er sein Rasiermesser am ledernen Beinkleid, und hierauf stellte er sich an mit schreckbar wilder Entschlossenheit, wie ein Scharfrichter, der das erste Mal seines Amtes waltet. Mir war, als müßte ich meine Unschuld hinausschreien in die weite Welt — da kratzte er schon. Als das Stoppelfeld glatt gemacht, stellte es sich heraus, daß die Schnurrbartspitzen ganz und gar ungleich waren, rechts stand das Schöpfchen, links stand keines. Also hinweg mit der ganzen Anlage. Und dann war die Sträflingsfrisur vollkommen. Mit einer neuen Kette war ich festgeschmiedet an den ehrwürdigen Bauernstand, denn mit dieser Visage in die Stadt zurückzukehren — ganz undenkbar. Ich traue ihm nicht, dem Adam! Es kann teuflische Absicht dabei gewesen sein.
„Jetzt schaut er halt aus wie der Pfarrer!“ meinte der Rocherl. Das etwa auch noch! Daß mit dem Haar und Bart die Maske gefallen wäre und der entlarvte Buchstabenmensch nun vor aller Augen dastünde! —
Und was war heute morgen? An Sonntagen kommt das Klopfscheit nicht. Hingegen kam heute der Hausvater selbst in die Kammer.
„Hast recht, Hansel,“ sagte er, „laß dir’s gut geschehen im Bett. Unseres Herrgotts Rasttag. Aber nachher — muß dir’s wohl einmal sagen — nachher sollst halt in die Kirchen gehen. Ich bin verantwortlich für meine Leut’, daß sie den christlichen Glauben halten. Wir sind auf Welt bei einander und wollen auch im Himmel bei einander sein. Gelt, Hansel!“
Das hat mich geärgert. Mich bevormunden in religiösen Dingen? Einem Kavalier geht das unmittelbar gegen die Ehre. Es hat mich aber auch gefreut, obschon ich mir den Himmel doch immer etwas anders gedacht habe, als mit den guten Adamshauserleuten beisammen zu sitzen. Zwar denke ich, daß der Hausvater im Namen seiner ganzen Familie spricht, auch in dem des jüngeren weiblichen Teiles derselben. Aber das ist Bürstenabzug, der die Censur noch nicht passiert hat.
Ich bin also an diesem Morgen nicht liegen geblieben und nicht aufgestanden. Sondern aufgesessen.
Und sagt jetzt der Adam verwundert: „Was hast denn da für Papierwerk?“ Weil er unter dem Kissen mehrere Nummern der „Kontinental-Post“ entdeckt hatte. „Geh, Hansel, auf so was liegt man schlecht. Es werden doch nit Zeitungen sein?“