Ihr draußen habt jetzt beim Morgenkaffee zum Dazubeißen den türkisch-griechischen Krieg. Die brennende Frage der Hoisendorfer heißt: Landtagswahlen. Und hat mein Adam heute ein Stück Wahlmanöver heimgebracht. Es scheint ganz zufällig hängen geblieben zu sein an seinem Gewand. Als er, von der Kirche kommend, den Lodenrock auszieht, sagt er so vor sich hin: „Das ist auch rar von unserem Kuraten. Geht er mich heut’ vor der Beicht an, ich sollt’ keinen Umstürzler und Lumpenkerl wählen, und weiß nit, was er noch gesagt hat. Socialdemokraten, oder was. Kannst mir nit aus dem Traum helfen, Hansel, was er gemeint haben mag?“

Der Ahnungslose! Ein seit langem mit Not und Drang zurückgestauter Leitartikel brach hervor — elementar. Die Socialdemokraten! Allgemeine Gleichheit natürlich! Ranglosigkeit, Gütergemeinschaft, Weibergemeinschaft! — So dumm sind sie nicht, das bringt ihnen nur der Feind auf. Sie meinen das gleiche Recht. Was Einer verdient, das soll er haben. Das ist doch klar. Man muß ihnen Gelegenheit geben, emporzukommen. Sie sind Blut von unserem Blut. Genug Bauern, die ihre Brüder und Söhne in den Fabriken haben. Roh mögen sie sein, aber Kraft ist in ihnen, Tüchtigkeit und Bravheit. Sie kommen von unten, haben Erdsegen in sich. Ihr Menschentum ist noch nicht verbraucht. Sie müssen das Homunkeltum zu Tode sengen. —

Ob ich wirklich so gesprochen habe! Ich weiß nur, daß meine Hausgenossen ratlos dastanden und einander anschauten.

Ich in der Hitze noch dazu: „Wählet einen Socialdemokraten, Adamshauser! Die sind lange nicht so schlimm, als sie aussehen.“

Endlich erholte sich der Bauer und sagte: „So, so.“ Denn er weiß jetzt so wenig als früher. „Mag eh sein, mag eh sein,“ sagte er, „ich versteh’s nit. Wählen thun wir halt einen Bauern.“

Na ja. Wir sind auch so ein paar, der Kurat und ich! Der eine will den Wähler dort haben, der andere da, und zerren ihn hin und her, wie Engel und Teufel eine arme Seele. Nur weiß man nicht, welcher der Engel ist. Und das nennt man, frei wählen! — Warum einer gerade bei der Wahl — nicht die Wahl haben soll, das ist auch eine jener Chinesereien, woran unser Abendland jetzt schon bald reicher ist, als das Reich der Mitte. „Muh!“ sagt mein Nachbar, der Ochs. Dieser Meinung bin schließlich auch ich.

Elfter Sonntag