„Oft wird er nicht mehr kommen!“ sagte der Schuster. Und recht hatte er doch. Nur einmal kam er noch, der Garibal, um nicht mehr fortzugehen.

War’s ein bureaukratisches Gericht oder ein standrechtliches — Nebensache. Die Hauptsache ist das Urteil. Der Reserveleutenant Garibal Randauer aus Kailing im Vordergai war schuldig befunden, die ganze kaiserliche Armee entehrt zu haben und ist deshalb des Offiziergrades verlustig erklärt worden. Der Unglückselige hatte nämlich — höre und schaudere — mit eigener Hand Dünger gestochen!! — Das Reglement verbietet nämlich dem Offizier in seiner Uniform jede gemeine, niedrige, knechtliche Arbeit, jede entehrende Beschäftigung. Und der junge Mann hatte in der Soldatenhose daheim auf seines Vaters Hof gemeinsam mit dem Bruder ein paar Stunden lang Kuhmist auf den Karren gefaßt. Deshalb ist das Scheusal degradiert worden. —

Ich fürchte, du hältst mich für einen Aufschneider. Mein Herr! — In der That, Freund, wir wußten all’ miteinander nicht, wie uns geschah. Ich kenne jenes Verbot ja auch, aber das hätte ich nicht für möglich gehalten. Wie stehen wir jetzt da, wir Bauern! Lauter niedrige, gemeine, ehrlose Kreaturen. Er hat die Hand nach körperlicher Arbeit ausgestreckt, nach der uralten Beschäftigung des uralten Bauernstandes, und darum wurde er verlustig erklärt der Kameradschaft von Leuten, die in des Kaisers Rock an Spieltischen würfeln, leichtsinnige Schulden machen und Weiber verführen! — Alfred! Bleibt dir nicht der Verstand stehen?

Allerdings soll es noch irgendwo barbarische Länder geben, wo Generäle und Minister im Ruhestande auf ihren Landgütern persönlich mit Schlamm und Dünger umthun. Ja, es giebt sogar Könige, deren Ehrbegriff so verkommen ist, daß sie ganz gleichmütig und stumpfsinnig das Brot essen, welches auf Kuhmist gewachsen ist. — Die Bauern erzählen sich noch heute das Märchen von einem Kaiser, der im Lande Mähren einmal eigenhändig den Pflug geführt und Dünger in die Furchen geackert haben soll. Und es ist endlich der Aberglaube verbreitet, daß die ganze Welt, Hoch wie Nieder, vom Nährstand abhänge. Pfui, das sind alte Sachen! In den modernen Staaten giebt’s statt Halme — Helme, und wenn man den Boden mit Menschenkadavern düngen will, wozu da Kuhmist! —

Das ist die Geschichte vom anrüchigen Garibal.

Gestern, als die alte Marenzel wieder da war, hielt ich ihrem Hündlein ein Stück Krume hin. Das Vieh nahm nicht einmal den Bissen Brot von mir. — So weit gehen die Herren Offiziere wieder nicht.

Laß mich wieder zu meinem guten Adam gehen. Sinnend schaut er zu, wie das Feld genährt wird und sagt leise: Wenn Gottes Willen ist!


Das Wort wird einem geläufig auf der Scholle, der wunderbaren. Es ist eigentlich zum Verrücktwerden, wie der Bauer inmitten von lauter Wundern steht. Das Jahr hat dreihundertfünfundsechzig Tage — und was geht vor in dieser Spanne Zeit! Das Ungeheuerste geschieht. Eine sechzehn Stunden lange Nacht und wenige Monde später ein sechzehn Stunden langer Tag. Und in diesem Ring ein zartes Keimen, ein leuchtendes Blühen, ein üppiges Reifen, ein müdes Sinken, ein totes Starren. Welch’ lange Zeit des lachenden Grüns, welch’ lange Zeit des ernsten Erwartens, und doch alles innerhalb eines kurzen Jahres!

Wenn ich am Feierabend draußen vor dem Wetterkreuze stehe, ist es zu hören jetzt, wie in den Bergen die Lawinen donnern. Hoch in den Hängen sammeln sich unter der Schneedecke die Wasser und gießen unten in trüben Fluten dahin, bis alles locker wird. Die Berge stehen klar und scharf in der feuchten Luft und ein lauer Wind weht über die Höhen. Welch’ ein Fernblick in die schneebedeckten Gipfel der Hintergaiergebirge und der Sandalpen, die so weiß, so still und weiß aufragen in den bleigrauen Himmel! In den Gaithälern werden schon die jungen Gräser sprossen, werden die Weiden ihre Kätzlein treiben — wir sehen nicht hinab. Bei euch werden jetzt die Konzerte sein mit den blädernden Fächern und den gelangweilten Gesichtern dahinter. Die Gärtner werden den Parkrasen säubern, die Winde werden den Straßenstaub aufwirbeln, die Schneider werden mit irgend einer Modethorheit die Frühjahrssaison einleiten.