Sofort war der Soldat auf den Beinen. Den Säbel hob er empor, daß er nicht klapperte im Gestein und Gewurzel, und so schlich er der Richtung zu, in welcher der Schuß gefallen war.
Nach einigem Suchen fand er was. Im Waldesdunkel kauerte ein Mann und weidete einen erschossenen Rehbock aus. Und der Mann war der Burgermeister von Abelsberg. — Wie? Ist denn heute Jagdtag? fragte sich der Schorsch. Kreuz-Bomben und Mordsstern, heute ist nicht Jagdtag. Halt, Kerlchen, wir Zwei werden näher bekannt. — Aber es ist ja der Burgermeister! — rief in ihm eine andere Stimme. — Thut nichts, dachte sich der Gemeindediener wieder, wer wildert, ist ein Wilddieb. Was er sonst noch ist, ist mir alleseins. Das Schießen ist jetzt nicht erlaubt; gestern erst hat der Vorstand das neue Verbot ausgeschickt. Und thät er’s redlich, so brauchte er das Gewehr nicht zu zerlegen, das dort stückweis im Busche steckt. Ah, mein Herr, desweg hast Du heute den Wildwächter beurlaubt! Nun, wollen anfangen. — Wenn’s aber der Burgermeister selber ist! warnte noch einmal die andere Stimme. — Halt! flüsterte der Schorsch, und stemmte seinen Zeigefinger mitten auf die Stirne hin. Hat er mir nicht selber eingeschärft, der Ertappte sei wer immer: einfangen! — Des höllischen Satans will ich sein, wenn das nicht eine Falle für mich ist. Er hat mich abgespäht und will versuchen, ob ich ein treuer, unbestechlicher Bursche bin. Nicht aufsitzen, Schorschl! Fein angespielt! Nur nicht aufsitzen!
Etliche Secunden später schlug der Gemeindediener dem eifrig fleischernden Vorsteher keck die flache Hand auf die Achsel: „He da!“
Fast kollerte der Wilderer vor Schreck über und über.
„Aufstehen!“ commandirte der Soldat, „wir gehen mitsammen.“
„Aber, Schorsch, aber Schorschl!“ stotterte der Ertappte, „es ist ja — es war ja —“
„Rehbock über die Achsel! Flink!“ rief der Diener mit schneidiger Stimme.
„Na, so thu’ Er — hi, hi — — thu’ Er doch die Augen auf, Schorschl!“
„Ich mach’ keinen Unterschied.“