Hierauf gingen die Klerikalen zum Dechant und beklagten sich wegen räuberischer Eingriffe in ihr Besitzthum. Der Dechant sagte, sie sollten nur nicht nachgeben, sollten zum Bischof gehen, einstweilen aber die Baßgeige wieder in den Pfarrhof zurücktransportiren. Sofort verschwand die Geige wieder aus dem Wirthshaus. Da gingen denn die Liberalen zum Landesgericht. „Geht, schert Euch nicht,“ sagte das Landesgericht, „verschenkt den Scherben!“ — „Aber es handelt sich nicht mehr um die Baßgeige, es handelt sich um das Recht, um die Ehre!“ sagten die Ober-Abelsberger. Aber das Landesgericht wies sie ab. So waren sie auf Selbsthilfe angewiesen; sie stürmten den Pfarrhof und eroberten die Baßgeige wieder zurück in das Wirthshaus.
Nun begaben sich die Klerikalen zähneknirschend zum Bischof. „Ja, meine Lieben,“ sagte der Bischof, „nur standhaft sein. Haben sie nur erst die Baßgeige, so nehmen sie Euch auch die Orgel, und haben sie diese, gehört auch das Chor ihnen und sie rauben Euch zuletzt die Kirche mitsammt dem Thurm. Ich allerdings kann nichts für die Sache thun, aber steht nur männlich selbst dafür ein.“ Männlich selbst dafür einstehen, das hieß: die Baßgeige aus dem Hinterthürchen des Wirthshauses wieder in den Pfarrhof schleppen.
So geschah es. Da machten sich die Liberalen auf und begaben sich mit schwarzen Röcken und weißen Cravaten — weiß Gott! — zum obersten Gerichtshof. Der wußte schon von der Geigengeschichte und ließ die Leutchen gar nicht vor. Jetzt kam es auf nichts Geringeres an, als des Pfarrers Kuhmagd zu bestechen, daß diese die Köchin besteche und ihr den Schlüssel zur Rumpelkammer entlocke.
Und nach wenigen Tagen, als der Pfarrer und der Caplan brevierbetend am Wirthshause vorübergingen, hörten sie d’rin johlen und tanzen und die wohlbekannte Stimme der Baßgeige.
Jetzt luden sie alle Parteigenossen zu einer Versammlung ein und beteten zum heiligen Geist um Erleuchtung. Und als sie gebetet hatten zum heiligen Geist um Erleuchtung, da hielten sie Rath und beschlossen einstimmig, eine Deputation zum heiligen Vater zu senden, auf daß durch des Statthalters Christi Wink die Baßgeige der Kirche erhalten bleibe.
Die Liberalen hielten auch eine Versammlung und stärkten sich dazu mit dem edlen Saft der Gerste. Und als sie sich gestärkt hatten mit dem edlen Saft der Gerste, da hielten sie Rath und beschlossen: Gehen die zum Papst, so gehen wir zum Kaiser!
Nach wenigen Wochen zogen zwei Deputationen von hinnen, die eine gen Rom, die andere gen Wien.
Die alte arme Baßgeige aber lehnte in einem einsamen Winkel des Wirthshauses, und — war tief verstimmt über den närrischen Hader, dessen unschuldige Ursache sie war, und der entzweiend und zersetzend selbst in die Familien eindrang und den Wohlstand der Gemeinde ernstlich gefährdete. — „Ach,“ so seufzte sie oft, „wäre ich wieder oben unter dem Dache und nisteten in mir wieder die friedlichen Vögelein — wie wäre mir wohl!“
Zur selbigen Zeit war es, daß ein Zigeunerschwarm durch das Dorf kam und bettelte und stahl, und den lustigen Bauern Musik machte im Wirthshaus. Ein alter Zigeuner war dabei, der hatte mehr Runzeln im Gesicht, als er all’ sein Lebtag schon Stuhlrichterprügel bekommen haben mochte, aber kohlschwarze Augen und einen kohlschwarzen Bart. Der sah die Baßgeige lehnen im Winkel und hub sie an zu streichen. Da horchten die Ober-Abelsberger auf — jetzt erst hörten sie, wie eine Baßgeige klingt! Jetzt erst nickten sie die Köpfe und lispelten: „Ist nicht ohne, der Ober-Abelsberger Geigenkrieg!“ Das Blut wurde ihnen heiß bei der absonderlichen Musik, zu tanzen huben sie an, die Männer und Weiber, die Liberalen und Klerikalen, Alles durcheinander — toll zu tanzen huben sie an. Der alte Zigeuner spielte und schmunzelnd ließ er seine dürren Finger über die Saiten der alten Geige zucken und der Fiedelbogen spritzte süßgiftige Töne aus. Ganz schauderhaft wurde in derselben Nacht getanzt und getrunken und ehe noch der Morgen graute, lagen die Ober-Abelsberger unter Tischen und Bänken und in den Winkeln herum — Männer und Weiber, Liberale und Klerikale — Alles durcheinander.