’s ist mir so herausbrochen, Bauer, und wenn Ihr mich niederschlagt und wenn wir zu Grunde gehen All’ miteinander — mir schon alleseins. Sagen hab’ ich Euch’s müssen.
Brandsteiner (milder).
Kunnst ’leicht mein bester Freund sein, Peter, meinen thät’st es nit schlecht, aber versteh’n thust es nit. Ich versteh’s ja selber nit, ’s ist Keiner auf der Welt, der ’s wenden kunnt. Schau an dieses Kreuz auf dem Eichbaum, da hab’ ich’s gelobt, vor fünfundzwanzig Jahren, daß die Rosel in’s Kloster geht.
Peter.
So eine Lug reden, Bauer, das steht Euch gar nit gut an. Vor fünfundzwanzig Jahren habt Ihr noch gar keine Rosel gehabt. Ich weiß ihr Alter recht gut!
Brandsteiner.
Schreist auch gleich so herrisch dazwischen, wie ein Unhold. — Weil wir schon reden, laß’ Dir’s erzählen. Steht Dir gut an, wennst ihm zuhörst, dem alten Mann, hast ja selber noch nichts erfahren. Zu derselben Zeit, wie ich im heiligen Brautstand gewesen bin, da ist unten auf der Bachwiesen, wo Ihr heut’ das Heu habt geschöbert, noch der finstere Wald gestanden und die ganze Gegend herum ist eine halbe Wildniß gewesen. Rechtschaffen gern bin ich gangen zu meiner Braut in’s Dörfel hinab und oft ist schon die stockfinster Nacht da, wie ich heraufsteig zu mein’ Haus. Da ist einmal, kannst mir’s glauben, Peter, dieselbe Stund’ geht mir mein Lebtag nit aus dem Kopf — ist einmal, wie ich so daher trott, hinterrücks ein ketzermäßiges Pfnausen gewesen — saust mir ein großmächtiger Bär nach. Ich, das weißt, heb’ Dir an zu laufen, verlob’ mich in der Geschwindigkeit auf den Luschariberg, aber das Haus mag ich nit mehr derreichen. Just, daß ich noch zu rechter Zeit den Baum dort derlang — mich hinaufstemm, ist das Schindvieh schon da. Morgen zeig’ ich Dir den Schuh, Peter, wo er hineingebissen hat; aber nit grad den Schuh, den Fuß hätt’ er auch gern noch dazubeißen mögen. Ich in der Todesangst mach’ das heilige Vornehmen: Ein geweihtes Kreuz laß’ ich aufrichten auf diesem Baum, daß Jeder, der vorbeigeht, sein Vaterunser betet. Aber der Bär, wild wie ein höllisches Thier, hat brummt und brüllt und seine Augenräder haben gefunkelt, daß es ein Graus war. Gewühlt hat er im Erdboden und gescharrt an der Baumrinden, daß die Fetzen sind geflogen und — Jesus, Peter, wenn Du das gesehen hätt’st! Zu steigen hat er ang’hebt hinauf nach dem Stamm und ich hab’ sein gluthheißes Schnauben schon g’spürt in allen Gliedern. Ich wohl gleich dem Wipfel zu, aber die Bestie mir nach und alle Aeste haben sich bogen. Herrgott in Dein’ Reich! schrei ich, wenn ich Dir schon die heilige Kirchfahrt verricht’ auf den Luschariberg, wenn ich Dir schon das Kreuz aufstell’ zur Ehr Deines bittern Leidens — was willst Du noch! Was soll ich Dir geben, daß Du mich errettest aus dieser Noth! — Sterben, mein Peter, sterben will halt kein Mensch, und doch gar zu bitter wär’s im glücklichen Brautstand! Da fällt mir’s ein in der höchsten Bedrängnuß: Mein Kind, meinen Erstgebornen schenk’ ich Dir, Du himmlischer Herr! — — (Ruhiger): Und schau, wie ich das Wort so hab’ ausgerufen, da hör’ ich schon die Leut’ vom Haus, wie sie herbeieilen und es blitzt schon der Schuß und das wilde Ungeheuer kugelt zusammen. — Das ist der letzte Bär gewesen, den sie in unserer Gemein erschossen haben. — Die Kirchfahrt hab’ ich verrichtet, das Kreuz hab’ ich aufgestellt am Baum — jetzt hab’ ich noch das Letzt’ zu thun.
Peter.
Ihr seid gut an mit unserem Herrgott, Brandsteinbauer, und ich halt, es läßt sich ein vernünftig Wörtl mit ihm reden. Bin der Meinung, daß, wenn Ihr ihm sagen thät’s, ’s wär’ Euer einzig Kind; Ihr hättet ihm den Erstgebornen versprochen und nit den Letztgebornen — so wär’ ich der Meinung — —
Brandsteiner.