Oswald’s Stimme.

Der Wend griff mit behender Hand nach dem Messer, das in der Ledertasche seines Beinkleides stak. „Mein Stoßeisen, Du! Sollst mir heute gut sein!“ so murmelte er knirschend. „Und das schwör’ ich Dir, Jüngling, in dem Augenblick, wo Du ihren Mund anrührst, grab’ ich Dir das Messer ein!“

Hätte Oswald emporgeblickt, er würde zwei Augen haben funkeln gesehen im Geranke. Aber dem arglosen Burschen fiel es nicht einmal auf, wieso die Leiter schon am Fenster lehnte; oder er hielt das als ein Zeichen des Entgegenkommens von Julinen. Zwar hatte sie heute bisher sein Liedchen nicht entgegnet; doch, sie mußte ja vorsichtiger sein als sonst, wenn der Vater daheim, und einem Mädchen, das sich einsam fühlt, vergeht das Singen. — Leichten Blutes stieg Oswald die Leiter hinan. Mehrmals mußte er an den Scheiben klopfen und Julinens Namen flüstern, bis der Fensterflügel sich aufthat.

„Julina! Wachest Du? Ich bin’s.“

„Oswald,“ lispelte das Mädchen und zog die Pfaid über die Brust hinauf bis zum Kinn.

„Ja,“ sagte er.

„Oswald, heute hättest Du nicht kommen sollen.“

Er setzte sich an’s Fenstergesimse, schlang den linken Arm um eine Rankenstange, die zugleich als Gitter diente, und streckte die Rechte dem Mädchen zum Gruße hinein. Sie hielten sich an der Hand, sie flüsterten und der Bursche umschmiegte immer fester ihre weichen Fingerchen.

„Julchen,“ sagte er plötzlich, „wie Du siehst, bin ich hier auf dem Gesimse in keiner geringen Gefahr. Wenn die Ranke bricht, so lieg’ ich unten.“

„Warum soll die Ranke denn brechen?“