Nicht lange darnach ist dem Paare ein Kindlein gekommen.
Ein Kindlein! — Bin sonst nicht nervenschwach, aber wenn ich dieses Wort schreibe, so zittert mir immer die Hand. Ein Kindlein! Ich denke an die Vaterfreuden, an das Mutterglück. Mit jedem Menschenkinde wird der Erlöser neu geboren, unnennbare Seligkeit guten Elternherzen spendend. Therese ging fast in Mutterliebe auf; sie fühlte kein Herz mehr in ihrer Brust, sie fühlte es vor sich liegen in der Wiege.
Franz arbeitete mit neuem Muth und blickte mit hellerem Auge in die Welt hinaus. — Da sah er hier einen Hasen kauern, dort ein Reh huschen; da hub ihm das Blut zu wallen an, wie lauter glühende Bleikugeln heiß. — Und der jungen blassen Mutter müsse ein frischer Braten gar sonderlich wohl bekommen.
Als Theres wieder todtes Wildpret im Hause sah, zerrte sie den Gatten von der Wiege des Kindes, wo er eben gestanden war, führte ihn in einen Winkel des Vorgemachs und sagte:
„Unser Sohn soll das Wort nicht hören: Franz, Du bist ein Wildschütz’ — ein Dieb!“
Sie ließ ihn stehen und stürzte davon und brach an der Stätte des Kindes zusammen.
„Und Du!“ rief Franz zur Stube hinein, „Du bist ein überspanntes Ding. Thun es Andere auch; wenn Jeder deshalb schon ein Dieb wär’! Der Herrgott hat die Thiere des Waldes für Alle erschaffen!“
„Darauf laß ich mich nicht ein,“ sagte sie, „Du willst das letzte Wort haben; Du weißt so gut, wie ich, was unrecht ist.“ Bald aber erhob sie sich, trat ihm einige Schritte entgegen, faltete zitternd die Hände in einander: „Franz, bös’ hab’ ich’s nicht gemeint. Und wenn Du schon das Unrecht nicht willst sehen, so denk’, es könnt’ einmal zu Deinem Unglück sein. Geh’, mein lieber, mein guter Mann, laß’ das Wildern bleiben!“
„Ich weiß ja, Du willst mir keine Freude gönnen!“ rief er unmuthig und ging davon.