Der Crispin hatte im Kartenspiele eine neue Sackuhr gewonnen; die gefiel dem Franz. Und eines Tages im Wirthshaus fragte dieser: „Wie willst mir sie verkaufen?“
„Franz,“ sagte der Crispin und zerrte den Kameraden in einen Winkel, „willst Du mir meinen Alten schlagen helfen, so schenk’ ich Dir die Uhr mitsammt der Kette.“
„Hörst, das muß ich mir erst überlegen. Einen schlagen, der mir nichts gethan hat! ’s kunnt leicht nicht recht sein.“
„Ihm selber sicher nicht,“ lachte der Crispin, „indeß, überleg’ Dir’s. Wie er ausmißt, so soll ihm eingemessen werden, und —“ er legte die Hand auf den Rücken, „mir hat er gestern wieder übel gemessen.“
„In der Schrift heißt’s so, wohl war. Na, will mir’s überlegen.“
Sieben Tage später war die Neujahrsnacht. Der Nachtwächter schritt durch das Dorf und über den Friedhof. Er blickte in das offene Grab, welches der Todtengräber zur Winterszeit stets bereit hält und dachte: Wer wird der Erste sein im neuen Jahr, der hinabsteigt? —
Draußen vor dem Zaune huschte eine Gestalt vorbei. Der Crispin ging in das Häuschen seines Freundes.
„Recht, daß Du da bist,“ sagte der Franz, „in solchen Nächten, heilig wahr, ich heb’ mich schon an zu fürchten. Schau, da hab’ ich Blei gegossen. Und was ist herausgekommen? Da, schau einmal!“ Er hielt dem Kameraden ein Stück Blei hin.
„Was wird’s denn sein?“ lachte der Crispin, „eine Bleikugel ist’s.“