Am Nachmittag, als sie die galten zwei Kühe einspannte und damit auf die Granitzwiese um Futter fuhr, sagte sie zu sich selbst: „Die Christl kunnt schon lesen, sie braucht ja ein Betbüchel in der Kirch’, die Christl.“
Die Christl war des Schwanenwirths Weiddirn, die an Kirchtagen auch die Gäste bedienen half, die auch den Hans Kinigl kannte, rechtschaffen gut kannte. Und die Christl war Gretl’s G’spanin, wenn’s am Frohnleichnam zum Kranzelaufsetzen kam. Indeß, ohne daß Eine von der Andern wußte, allbeide waren dem Hansl verbunden; er hat nie was d’rein geredet, wenn sie, weiß gekleidet, das Kranzel im Haar, bei der Procession gewesen sind; er hat, wie’s ja Recht und Sitte ist, die Knöpfchen seines Rosenkranzes abgebetet und nicht ein Wörtl hat er geplaudert.
So ist er nachher gestellt worden, haben ihn abgemessen — er ist halt lang genug gewesen — ist blieben beim Militär. Ein sauberer Soldat ist er worden, der Kaiser nimmt halt von seinem Land’ die schönsten Leut’. Ich thät’s auch. Jetzund ist seitdem schon ein ganzer Sommer vorbei.
Die zwei Kühe trotteten hin über den Steinweg, der Granitzwiese zu, und der Karten knatterte und die Gretl, die drauf saß und in süßen Gedanken war, wurde recht arg dabei geschüttelt. Freilich so ein Schütteln und Hopsen ließe man sich gefallen, wenn Eins nur das Lesen hätt’ gelernt. Versterben kunnt man, hat man seinen Brief in der Hand und weiß nicht, was er Einem schreibt.
Sie war schon dort, wo der Wald aufhört und die Wiese anhebt — that sie auf einmal einen Juchschrei und sprang vom Karren. Sie hatte die Christl gesehen, die hinter dem Zaun drüben Eschenlaub sammelte.
„Bist ’leicht auch da, Christl?“ schrie sie hinüber, „geh’, magst nicht ein Eichtl herüberhupfen zu mir, ich zieh’ Dir zwei Stangen aus.“
Aber die Stangen waren störrig und die Lücke in dem Zaun nicht so leicht gemacht. So lehnten sich Beide nur daran und ließen die Stangen und Stecken, wie sie waren, dazwischen.
„Wirst es nicht meinen, ich hab’ was Neues bei mir,“ sagte die Gretl freudestrahlend, „einen Soldatenbrief von Hans — ja von Hans, freilich, und sein Pultree (Porträt) ist auch dabei, und für mich, für die Margaretha Krautwascherin gehört er, der da — der Soldatenbrief.“