Sie sagte kein Wort, und er ging davon. Und war zufrieden mit seiner Feinheit — Die Christine sah er gern, das stand fest, wie die Erde. Aber sie war eine Kalte. So viel jung und sauber, aber so viel kalt. Wenn Eine auf jede Frage nichts als „na“ sagt, so ist das keine Sach’. Jetzt hat er ihr abgesagt — sie soll nur warten, ’leicht wird sie wärmer — und im Grunde sind Beide noch so jung, daß sie nichts versäumen. Dieweilen wird er großjährig und hernach hat der Vater nichts mehr dreinzureden. Auf seinen Vater muß der Mensch doch achten, auf daß es ihm wohlgehe. Und von wegen der Erbschaft auch. — Deswegen war’s fein vom Seppel, und wenn Einer so in rechter Friedsamkeit weiter lebt und all’ Tag seine Uhr aufzieht, so wird er nach und nach doch großjährig. Nachher stellt er sich mit ausgespreizten Beinen hin vor den Vater, steckt die Hände in die Hosentaschen, so tief es geht und sagt: „Na Vater, itzo wollen wir halt einmal probiren, wie’s mit den Weibsbildern ausschaut. Ist der Vatersegen zu haben, so wird’s uns g’freuen; ist er nicht zu haben, so soll’s desweg keine Feindschaft geben.“ — Beim Seppel kommt’s ja doch nur mehr auf ein Jahr an, daß es ein Schaltjahr ist, wird auch zu verwinden sein, wird die Christine noch um einen Tag wärmer. Der Seppel vertreibt die Zeit auf einem Holzschlag drüben im Neuviertel, und kommt nicht oft heim. Deswegen ist Einer Mann, daß er seine Sach’ derwarten kann.
Es war ganz genau, wie er sich’s gedacht hatte, das Jahr wurde täglich um einen Tag kürzer, und die Christine im Haarspinnhof täglich um einen Tag wärmer. Da erhielt der Bursch eines Tages Nachricht, der Toni-Bürsch lasse sagen, der Seppel möge einmal heimkommen, möge doch auf den Vater nicht ganz vergessen.
Das ist auch wahr, dachte der Sohn, auf meinen Vater darf ich nicht vergessen, jung ist er auch nicht mehr; wenn der Mensch einmal im Siebenundsechzigsten steckt, denkt er halt auf’s Testamentmachen. — Und geht heim, und findet den Vater, Gottlob, rechtschaffen gesund und rührig, und der Mann hat einen Schneider im Haus. Der Schneider macht ein kohlschwarzes Tuchgewand; im Vorhause zimmert der Tischler aus sechs Brettern...
„Aber, Vater, wer wird denn auf so was denken?“ sagt der Sohn.
„Willst mich Du zuletzt noch gar bevormunden?“ sagt der Vater, „ein solches Leben gefreut mich nicht mehr. Ich denk’ ich bin alt genug dazu.“
„Warum nicht gar! Wie der Vater jetzt ausschaut: noch dreißig Jahr dermacht er’s.“
„Verhoff’s. Für weniger laßt sich’s der Mensch kein nußbaum’nes Ehebett kosten. — Wirst wohl bei der Hochzeit sein, Seppel!“
„Ja, wer — wer denn?“ fragte der Sohn.
„Mein lieber Bub’,“ sagte jetzt der Alte und blickte den jungen Mann liebreich an, „ich hab’s bedacht und Du hast mir so viel arg derbarmt. Keine Mutter haben, ein Waisel sein — ’s ist eine arme Sach’. Nachher, wenn man’s bedenkt, ich brauch’ auch wen, gesetzt, daß ich gesund bin, und gesetzt, daß ich einmal mühselig werd’. Und auch eine Sündhaftigkeit ist’s, so ein lediges Daherleben, und es sind die jungen Gedanken noch da.“