[Dichtergassen.]
Bauet ihr den Dichtern Gassen,
Baut sie nicht an Häusermassen,
Nicht in staubdurchqualmter Enge,
Wo nach Mammon hetzt die Menge.
Bauet sie durch grüne Auen,
Wo die kühlen Wälder tauen,
Bauet sie nach Bergesspitzen,
Wo beim Mahl die Götter sitzen.
Und wenn euch in Niederungen
Fast ersticken Herz und Lungen,
Laßt den Plunder liegen, stehen,
Folgt den Dichtern zu den Höhen! —
Wer dies Märchen nicht kann fassen,
Der soll alles Dichtergassen-,
Dichterstraßentaufen lassen.
[Musiksegen.]
(An meinen Sohn.)
Die Musik, sie ist dein Heiland,
Sie ist ein Heiland auch mir,
Wenn sie als treuer Engel
Dich führend bleibt bei dir.
Wenn sie, mein Kind, dich behütet
Vor Lastern, den gemeinen,
Wenn sie dich hebt und leitet
Zu Freuden, zu den reinen.
Zieh unterm Lorbeerzweige
Auf klingendem, seligem Eiland,
Voll Dornen zwar sind die Steige,
Und ein Kreuz trägt jeder Heiland.
[Dem Tiere zu Schutz und dem Menschen zu Nutz.]
*
Ich hör eine alte Satzung lehren:
O Mensch, du sollst deine Eltern ehren!
Und ein neues Gesetz die Weisung gab:
O Mensch, du stammst vom Tiere ab!
Die Moral davon, die liegt nicht weit,
Du sollst achten die Tiere zu aller Zeit.
Und erkennst du sie schon als Stammeltern nicht,
So ist es als Mensch deine heilige Pflicht,
Den Tieren, die dir ihr Dasein weihn,
Ein gütiger, milder Schutzherr zu sein.
Das Tier hat ein fühlendes Herz wie du,
Das Tier hat Freude und Schmerz wie du.
Das Tier hat einen Hang zum Streben wie du,
Das Tier hat ein Recht zum Leben wie du.
Nicht viel sind dir, Mensch, der Tage gegeben,
Doch kürzer noch ist des Tieres Leben.
Und muß es dein armer Sklave schon sein,
In dunkler Nacht wie im Sonnenschein,
Und opfert es dir seine Kraft und Ruh'
Und wendet dir all seine Neigung zu,
Oder flieht es dich angstvoll, weil es ihm scheint
Du seiest sein allergrößter Feind:
O sei sein Schutzherr! Es kann nicht klagen
Den Schmerz, kann dir seinen Dank nicht sagen.
O sieh sein flehendes Auge an,
Es blickt dich eine verwunschene Seele an.
Schon vor vieltausend Jahren die Alten
Haben deutsam an dem Glauben gehalten:
Die Menschenseele müsse wandern,
Von Tier zu Tier, von einem zum andern.
's ist Wahres dran; der Mensch ist geschaffen
Aus ähnlichem Stoff wie Vögel und Affen.
Die Tierexistenz und das Menschenleben
Ist einem und demselben Geschick untergeben;
Wir haben mit jedem Wurm gemein
Das Kämpfen und Ringen ums irdische Sein,
Und wenn wir auch manches Hohe erwerben,
Wir haben mit jedem Tiere gemein:
Das Leiden und Sterben! Das Leiden und Sterben!
O glaubt mir doch, es nimmt besseren Lauf,
Der Mensch hebt das Tier zu sich hinauf,
Als, er stiege durch Roheit und unreine Taten
Zum niedrigsten Tiere hinab in den Schatten.