Dem Verein der Künstler in Wiesbaden auf eine Sendung.
O heiliger Becher goldenen Weins!
Bist du nicht zwei, so bist du mir Eins.
Nun sei auch mein flinker Pegasus,
Der froh überbringt den Dankesgruß
Bis nah den Gestaden von Mainz.
Dort lasse dich nieder auf Wiesbadens Flur,
Und biet einen Bruderkuß dar von der Mur
Den Männern des Künstlervereins —
O Tropfen, der mich erquickt und beglückt,
O Flamme, die mich berückt und entzückt,
Im seligen Taumel des Seins.
Kein Trunk hat mich jemals so lodernd entfacht,
Als du, mich den Göttern so nahe gebracht,
Voll wonnig olympischen Scheins.
— Ich trinke euch zu, ich jauchze euch zu!
Ich preise dich, feurige Labe du,
Allheitere Seele des Rheins!
Der Tischgesellschaft.
1901.
Ach wie wär's im Kruge lustig,
Doch zu Hause bleiben mußt' ich,
Hab's ein bißchen auf der Brust ich.
Traun, die halben Nächte pfauch' ich
Und die andern halben hust' ich.
Abschied vom Krug.
Es war einmal 'ne schöne Zeit,
Da saßen wir zu zehnt, zu zweit
In Kleinoscheggers Weinlokal.
Es war einmal.
Nun bin ich traun ein Patient
Und fürcht', der Krug, der hat ein End',
Er ging zum Brunnen sonder Zahl.
Er war einmal.
»Es war einmal« wird immer neu,
Was wir erlebt, das bleibt uns treu
In dichtender Erinnerung
Damit genung.