Einem Sprachvereinsfeste.

Nun schärfet den Spaten
Und furchet sein wacker
Den siechenden Acker
Der kahlköpfig glatten
Vertrockneten Sprache.
Und streut in die Brache
Papierner Mache
Die kräftigen Saaten
Lebendiger Mundart.
So wie sie uns kund ward
Von ackernden Alten,
So sollen sie erndende
Enkel erhalten!

Widmung ins »Sünderglöckel«.

1903.

Wenn das Sünderglöcklein läutet,
Brauchst du, Freund, nicht zu erschrecken,
Zwar, die Schelme soll es necken;
Arme Sünder soll es wecken;
Aber keinen soll's verletzen,
Und die Guten soll's ergötzen.

Einem Künstler.

Die Natur ist des Stoffes gefesselte Sklavin,
Sie muß wahr sein, auf Kosten der Schönheit.
Die Kunst ist des Himmels freiwaltende Tochter,
Sie darf schön sein auf Kosten der Wahrheit.

An Martinelli zum 70. Geburtstag.

1904.

Du grüßtest mich zu Sechzig,
Denn was sich liebt, das neckt sich.
Ich grüße dich zu Siebzig,
Denn was sich neckt, das liebt sich.