Ich lieb' an einem Weib
Nicht bloß den feinen Leib,
Noch mehr die reine Seele.
Ist ihre Seel' nicht mein,
Auf ihren Leib allein
Verzicht' ich leicht und schnelle.

Als ich um sie gefreit
War's für die Ewigkeit
Und nicht für kurze Blüte;
Die wahre Liebe keusch
Plangt nicht so sehr nach Fleisch,
Vielmehr nach Herz und Güte.

Wer für Gestalt nur Sinn,
Für den sind bald dahin
Des süßen Glückes Triebe.
Doch auf der Jahre Höhn
Wird erst die Seele schön
In Ahnung ewiger Liebe.

[Schon fleißig, lieber Goldschmied?]

Schon fleißig, lieber Goldschmied? Guten Morgen!
Ein bißchen, Herr Nachbar, guten Morgen!
— Klopf, klopf!
Was wird denn geschmiedet so laut?
Ich schmiede ein Ringlein meiner Braut.
Das Ringlein wird glänzend und klar,
Ich führe sie bald zum Altar,
— Klopf, klopf, klopf!

Noch fleißig, lieber Goldschmied, guten Abend!
Ich bin nicht mehr Goldschmied, guten Abend!
— Klopf, klopf!
Was wird denn geschmiedet so laut?
Ich schmiede ein Kreuzlein meiner Braut,
Ein eisernes Kreuzlein fürs Grab,
Wir senken sie morgen hinab.
Klopf, klopf, klopf!

[Wenn du gehst von mir ...]

Wenn du gehst, wenn du gehst von mir, mein Lieb,
So ist es aus mit mir,
Ich wandre dir nach durch die halbe Welt,
Und such' und ruf' nach dir.
Ich frage den Jäger im grünen Wald,
Den Schäfer auf blumiger Au:
Hast du nicht gesehn eine schöne Maid
Mit hellen Äuglein blau?