Willst du, Freundchen, doch einmal das hochgelobte Land erlangen,
Wo es unserm alten Vater Adam einst so wohlergangen,
Darfst du nicht gen Westen ziehn, wo aller Tage Sonnen fallen,
Mußt du, wo sie auferstehen, hin ins Land des Ostens wallen.
Darfst du nicht das Dampfroß, nicht das stolze Pferd des Ritters reiten,
Selbst des Dichters Flügelhengste könnten leicht dich irreleiten.
Nur das Eselein, das arme, das beharrlich voll Geduld
Trägt auf seinem breiten Rücken eignes Kreuz und fremde Schuld,
Nur das Eselein, das arme, kann ins Paradies dich tragen,
Weißt du, Freund, wie ich das meine, brauch' ich weiter nichts zu sagen.
[Einkehr.]
Tausend Formen hast du, Menschheit,
Durchgeprobt in deinem Leben.
Hier in Freiheit, dort in Knechtschaft,
Hier in Trägheit, dort im Streben.
Hier in stolzen Waffengängen,
Dort mit weichen, frommen Sitten
Bist du kühn zugleich und zagend
Durch die Nacht der Zeit geschritten.
Doch, die Sterne, die da leuchten,
Und die Blumen, die da sprossen,
Und die Trauben, die da reifen,
Hast du einst wie heut genossen.
Ganz wie Adam seine Eva
Sich gemacht zur Herzensbeute,
Ganz wie Kain erschlug den Bruder,
Ganz so liebt und haßt man heute.
Eins ist ewig; was du tun magst,
Menschheit, streiten oder zagen,
Lust und Leid, soviel in deinem
Busen Platz hat, mußt du tragen.
Auch der Mächtige und Freie
Ist die Beute eines Drachen.
Und den Sklaven an der Kette
Kann nur Liebe selig machen.
Das, was dich auf deiner Wander
Manchmal will zu Boden drücken:
Nicht der Weg ist's, der dich schwächet,
Nur die Last auf deinem Rücken.