Ei, komm doch, ich verspreche dir
Die stolzesten Paläste,
Mit Viergespann, Lakaien d'ran,
Und königliche Feste.
Der Bacchus wird als Portier
Die Gäste nicht verscheuchen,
Die Venus macht im Haus Honneurs,
Ist huldvoll ohnegleichen.
Mit Aktien und Lotterie
Mußt du dein Glück beginnen;
Verdienen ist philisterhaft,
Doch vornehm ist gewinnen.
Da ruht man auf dem Sofa aus
Und schmaucht die feinsten Zigarren,
Und läßt für sich den »Pöbel«, traun,
Hübsch arbeiten und sparen.
Ei, was Gewissen, Ideal!
Das Leben ist ein Spielchen,
Und hochperzentige Wertcoupons
Sind unser höchstes Zielchen.
Was Arbeit, Narr, das Glücksrad her,
Das dreht sich selber um,
Ich kann es dir empfehlen sehr,
Verehrtes Publikum!
[Der Besessene.]
Mir graut, ich bin besessen,
Besessen von dem Gelde hier,
Mein Schaffen, selbst mein Sinnen,
Mein Träumen wird zu Gelde mir.
Was meine Hand berühret,
Wird märchenhaft zu Gelde mir,
Die Sehnsucht meines Herzens
Wird eingelöst mit Gelde mir.
Ich dürst' nach Lieb' und Freundschaft,
Nach Mut, nach Frohsinn, Ehr' und Ruhm,
Mein heißer Drang nach Tugend,
Er setzt sich schnöd in Gelde um,
Vor meiner Türe wimmern, ach,
Die Hungernden und Armen,
Und ich bin nicht imstande, ach,
Mich ihrer zu erbarmen.
O Brüder, liebe Brüder,
Wie teil' ich euch von Überfluß,
Da ich doch selber mitten
Im schnöden Gelde darben muß.
Das Geld als Segen Gottes,
Das habe nie besessen ich,
Doch bin von schlechtem Mammon
Seit Jahr und Tag besessen ich.
Und weil vor dem Verlieren
In Angst und Sorg' ich beben muß,
So hab' ich Not und Elend
Vom Geld, solang ich leben muß.
Und wenn ich's einst verlassen soll,
Wird doppelt hart das Sterben,
Und schmähen einen Geizhals mich
Die tief verhaßten Erben. —
O grauenhaftes Schicksal, du,
Den Mammon zu verfluchen,
Und ihn mit Hungers Hast und Gier
Doch immer müssen suchen.
Dem Armen das Verschmachten
Für seine Seele frommen muß,
Dieweil die meine jämmerlich
Im goldnen Bann verkommen muß.
O Gott, wie wird das enden noch,
Was soll mich Ärmsten laben,
Wenn ich den goldnen Becher leer
In lahmer Hand werd' haben!
Noch einmal möcht' für Göttliches
Auf Erden ich erwarmen.
Erlöse von den Banden mich,
Erbarmen, Herr, Erbarmen!