Hier rauschte sie nicht so laut. Hier war sie fast überall begrenzt von hügeligen Ufern. Dafür lag aber Großvaters Haus hart am Strand.
Mit der Zeit kam das furchtbare Würgen und Hungern nach den weißen Mauern, nach dem plätschernden Wasserstrahl, nach dem warmen Kuhstallduft und den tausend andern Dingen seltener und seltener, und es lag über dem allen wie ein dunstig blauer Schleier, bis sie mehr und mehr verschwammen. Dafür aber nahmen die Dinge um ihn her an Saft und Farbe zu.
Sie saßen in einem kleinen Hause, aber sie saßen warm und gut, die beiden Heimatlosen.
Es war still um den kleinen Jungen, denn der alte Fischer Klaas Klaaßen war ein stiller Mann. Mutter Justina und ihr alter Vater waren aus einem Holz geschnitten, und sie hatten sich nicht viel zu sagen. Aber sie hatte sich nicht weiter besonnen und war mit ihrem Kinde zu ihm gekommen, als sie im Unglück saß.
Klaas Klaaßen hatte keine Worte gemacht. Er war vom Fischen zu Hause geblieben, obgleich er wußte, daß die Heringe in der Föhrde waren und das Wetter gut war, und hatte wie verzweifelt in der alten Truhe gesucht und im Schrank, wo Mutter-selig das Bettzeug aufhob. Und die guten Tassen hatte er auf den Tisch gestellt und sein Sonntagszeug angezogen.
Und so saß er schon lange auf dem Lehnstuhl, als sie ankamen.
Dann hatte er bald Lars zwischen seine Knie gestellt und ihm immer mit der harten, schweren Hand über den hellen Kopf gestrichen.
Lars aber sah ihm fest in die freundlichen Augen, die so aussahen, als blickten sie von weit — weit her und hätten dort wunderlich ernste Dinge gesehn.
Es mochten die guten Augen sein, die immer von Treuhalten reden wollten, oder war es der Schalk, der irgend wo zwischen den Runzeln versteckt saß — aber Lars faßte ein Zutrauen zu seinem Großvater.