Sie hatte ihn wieder mit feinen, unsichtbaren Fingern herangezogen, die graue, ruhelose See. Ihr brausendes Lied und ihre stille Weite durchwoben sein Denken und Fühlen, daß er ihr verstrickt ward mit tausend unsichtbaren Fäden.
Es kamen wenig Menschen ins Fischerhaus.
Dem raschen, unruhigen Peter Lassen mit seinen hübschen, klugen Blauaugen war es wohl in dem warmen Gehäuse. Dort konnte er lange brav und still hocken, und Frau Lassen sagte, Mutter Asmussen habe nähere Bekanntschaft mit ihrem Jungen als sie selbst.
Zwei- oder dreimal war oben vom Flecken Kaufmann Asmussen, Lars’ Vatersbruder, bei ihnen eingekehrt. Er sah dem freundlichen Herrn Christian ähnlich, nur etwas Würdigeres hatte er. Er sprach väterlich gütig mit dem kleinen Lars, und seine Stimme hatte einen Klang, als hole er sie tief aus seinem behäbigen Fett herauf. Und er klopfte ihm auf den Kopf und fragte nach seinen Schularbeiten und sprach laut, als ob Lars noch nicht verstehen könne, und mit einem scherzenden Klang. Lars mochte den Onkel nicht, und als er ihn einmal mit hinaufnahm, um mit seinem kleinen Mädchen zu spielen, sagte er vor Zorn den ganzen Nachmittag kein Wort.
**
*
Es war an einem Sonntagnachmittag. Lars hatte mit Peter Lassen eine weite Entdeckungsfahrt den Strand hinunter gemacht. Da kam ihm Onkel Gust in der Haustür entgegen. Er hielt Lars’ Hand fest und klopfte ihm auf die Backe, sagte ein paar freundliche Worte mit seiner dicken Stimme und ging dann lachend weiter.
Als Lars in die Stube kam, saß Großvater am Harmonium, aber er spielte nicht. Er hatte die Hände auf die Knie gestützt und sah still und steif vor sich hin. Aber Mutter hatte die Hände vor dem Gesicht, und als Lars an der Tür stehn blieb und sich mit großen verwunderten Augen umschaute, da sah er, daß ganz, ganz langsam große Tropfen durch Mutters Finger rannen und ganz, ganz langsam auf das schwarze Kleid fielen.
Kapitel IV
Es war in der guten Stube mit den roten Plüschsesseln und den vielen Nippsachen. Das Dämmerlicht war ein wenig bedrückend, weil die gehäkelten Gardinen fast das Fenster deckten. Und die ganze Luft hatte etwas Drückendes, denn Frau Henriette Asmussen war erregt. Sie saß auf einem der roten Plüschsessel und sprach scharf, und die Worte fielen wie das Hackmesser in der Küche. Aber Herr Asmussen ging lächelnd auf und ab und pfiff zuweilen ein wenig. Das war schwer zu ertragen, denn Frau Henriette war noch dazu müde. Sie hatte den ganzen Morgen in der Küche gestanden, denn das Mädchen verwandte zu viel in der Wirtschaft, und am Nachmittag hatte sie dem Kommis auf die Finger gepaßt.