Nur einer litt unter ihrem Kommen. Peter Lassen haßte die Eindringlinge. Mit der ganzen Leidenschaft seiner Jungenseele mißgönnte er ihnen Lars’ Freundschaft. Jakob war arm und bescheiden. Und weil er klein und ängstlich war, hatte Peter für ihn nur eine leise Verachtung. Aber Hans mit seiner großartigen, aufgeregten Art war ihm ein Greul.
Nachdem sie gegessen hatten, fragte Lars den Großvater, ob sie das Boot haben könnten. Nach alter Weise sah er ihm fest in die Augen.
Großvater trat in die Tür und schnüffelte in die Luft. „Ost Süd-Ost — wenn er noch mehr umgeht, gibts ander Wetter. Ihr kommt nicht gut gegen an, aber wenn ihr zurückkommt, paßt man auf; wo die Hölzung aufhört, kommt es manchmal unversehens, und es ist böiges Wetter geworden.“ —
Da kletterten sie in Großvaters Boot, und Lars wies ihnen ernsthaft ihre Plätze an.
Dann saß er mit unbeweglichem Gesicht am Ruder. Ihm war nun wieder wohl bis in den tiefsten Grund der Seele hinein. Mit großartiger Miene und zusammengezogenen Brauen hielt Hans die Segelleine. Aber der kleine Jakob und Peter saßen auf dem Fischkasten. In Peter Lassens ganzer Haltung stand es überall geschrieben, daß er ganz und gar nicht beteiligt sein wollte und ihn das Ganze nichts anging. Die Hände hingen ihm lässig zwischen den Knien, und die Augen sahen scharf über See. Sprechen wollte er überhaupt nichts, so schwer es ihm wurde.
Es waren große, wuchtige Wolkengebilde aufgequollen und warfen von Zeit zu Zeit ihre mächtigen Schatten über die See. Die Farben jagten sich über die weite Fläche. Jetzt tanzte das Boot durch ein unsäglich tiefes Blau, nun glitt es durch smaragdgrüne Wunder, nun deckte graue Öde alles Glänzen, um wieder in Leuchtefarben aufzuglühn. Und ringsum ein jauchzendes Bewegen, ein rastloses Auf- und Niederkämpfen von zischenden, platschenden weißen Köpfen und durchleuchteten grünen Tiefen.
Und wie es ihnen bis auf die Haut und bis ans Herz griff, das salz- und lebenstarke Sausen, vergaßen die vier ihre eigene junge Wichtigkeit mit Groll und Würde, und das laute, lachende Geschwätz klang hell in den sausenden Wind.
Nur Lars blieb still am Ruder sitzen und sah in das endlose Gewoge, und seine Augen schimmerten dunkel und wechselten wie das Meer, und es war in ihnen ein großes, unbewußtes Strahlen der Freude.
Sie mußten gegenauf kreuzen, und das Boot tauchte durch die Wellen mit klatschendem Ton. Der Gischt spritzte über Bord und Hans schrie lachend auf, wenn ihm das Wasser ins Genick schlug. Sie zogen Großvaters Ölrock heraus und hängten ihn über Hans’ Schultern. Später fuhren sie ein wenig unter Land an die andere Seite der Bucht, um zu drehen. Dann faßte sie bald der Wind mit doppelter Gewalt. Es ging eine steife Böe über die Bucht.
„Wir wollen doch lieber ein Reff einstecken“, sagte Lars.