Und jetzt war er deutlich zu sehn, er ruderte gewaltig und prustete und spuckte, und mit der rechten Hand zog er etwas Dunkles mit, das von Zeit zu Zeit unbeholfen im Wasser patschte. —
Lars konnte später selbst nicht sagen, wie er mit dem kleinen Jakob das Segel umgelegt hatte und zur Stelle zurückgekreuzt war. Aber auf einmal hatten sie die zwei an der Steuerbordseite, und Lars lehnte sich hart über Backbord, weil Peter Lassen so schwer am Bootrand zog und der kleine Jakob mit dem halben Leibe herüberhing, um ziehen zu helfen.
Als Peter Lassen im Boot stand und sich schüttelte wie ein nasser Hund, war das einzige Wort, das er fand: „He swimmt as Bli, jämmerliche Landratte, — so was von swimmen!“
Aber Hans hockte triefend auf der Duchte und sagte gar nichts und sah aus, als wüßte er noch nicht recht, wer er sei.
Eine Stunde später lag er in Großvaters Bett. Tief drin in der Wand, wie ein Strandschwalbennest im Loch, war das Bett hinter bemalten Schiebetüren. Und zwischen Federbetten ragte nur noch seine Nase heraus, und selbst die Nase sah beschämt aus. Derweilen hing sein Anzug in der Küche vor einem gewaltigen Feuer.
Als er aber abends in seinem knitterigen feuchten Zeuge neben Jakob auf dem Schiff stand, das nach der Stadt fuhr, glich er gar nicht mehr dem großartigen Hans Todtsen von heute morgen, und Jakob sah neben ihm aus, als sei er gewachsen. Aber Peter Lassen stand am Strande, haute sich auf die Knie und lachte.
Kapitel VII
Lars sollte erst mit dem Frühschiff nach der Stadt, so kam er noch gerade zur Schule zurecht. Der Onkel hatte es diesmal so gewünscht. Der Vollmond stand schon am Himmel, als er über die Koppeln nach Onkels Hause schlenderte. Die grünschimmerige nordische Dämmerung und das milde Mondgespinst aus gelblichem Geflimmer hatten alle Dinge verzaubert. Lars sah sich um, blieb stehn und sah sich wieder um, und ein Verwundern war in seinen Augen. Er kannte jeden Busch und jeden Stein, und doch war heute so etwas Sonderbares ringsum. Es sah ihn alles an so groß und feierlich und so in seltsam tiefe Zauberfarben getaucht. Es wallte etwas in ihm auf, er wußte nicht, war es Lust oder Leid, ein wonnig heißes Empfinden, die Liebe zu dieser stillen, großen, geheimnisvoll-farbenglühenden Heimatwelt. — Er warf sich in den saftig-feuchten Klee und wälzte sich da wie ein Tier vor schierem drängenden Behagen. Dann sprang er auf, sah bedenklich auf den zerquetschten Klee und lief den ganzen Weg bis zu Onkel Gusts Haus; denn es war spät, und er sollte eigentlich zum Abendbrot da sein.