Ein Dr. Hoffmann ließ das Stück mit vieler Mühe und Kosten heben und ausarbeiten. Der Fund machte Aufsehen und erregte den Neid des Steinbruchbesitzers, des Domherrn Godin, der das Stück reklamierte, und dem es auch vom Gericht zugesprochen wurde. Als im Jahre 1795 die Truppen der französischen Republik das Fort St. Pierre bombardierten, befahl der General, der um den wissenschaftlichen Schatz im nahen Hause des Domherrn wußte, dasselbe zu schonen. Dieser, nicht weniger um seinen Schatz besorgt als der General und wenig erbaut von dessen rücksichtsvoller Aufmerksamkeit, ließ es bei Nacht in der Stadt verstecken und hoffte so nach der Übergabe des Platzes sein Stück zu retten. Vergeblich! Der Volksrepräsentant Freycinet verstand hinter das Geheimnis des Geistlichen zu kommen und ließ öffentlich den zweiten Entdeckern des Sauriers 600 Flaschen Wein zusichern. Das wirkte unwiderstehlich; schon am nächsten Morgen brachten zwölf Grenadiere im Triumph das Stück, um ihren Lohn zu empfangen.
Jener Maassaurier, zu Ehren des Entdeckers Mosasaurus Hoffmanni getauft, mag eine Länge von 7 bis 8 Metern erreicht haben; es sind aber seitdem Riesen von drei- und vierfacher Länge mit 1 bis 1½ Meter langen Kiefern gefunden worden. (Die berühmten Riesenschlangen Südamerikas: Abgottschlange oder Boa, Anakonda und Tigerschlange werden etwa 7 Meter lang.) Daß die Maassaurier von Landeidechsen abstammen, ist zweifellos, denn ältere Formen, die in Dalmatien gefunden wurden, haben noch Schreitbeine und gleichen den Varanen, das sind Eidechsen von erstaunlicher Größe. Vertreter derselben in der heutigen Lebewelt sind die sogenannten Warneidechsen Afrikas, Südasiens und Australiens. Die bekannteste Art ist die Nileidechse, 2 Meter lang, sehr räuberisch, von den alten Ägyptern als Vertilgerin der Krokodileier und junger Krokodile gefeiert.
Vogeleidechsen oder Flugdrachen.
Die Reptilien des Mittelalters (Trias-, Jura-, Kreidezeit) begnügten sich nicht damit, ihre Herrschaft zu Wasser und zu Land auszuüben, sie dehnten dieselbe auch auf den Luftkreis aus gleich wie gewisse Nachfahren des Alluviums (Gegenwart). Die „Kriecher“ begründen die Ära der Aeronautik der Wirbeltiere, nachdem die Insekten das Problem schon Jahrmillionen vorher gelöst hatten. Sollte man denken, daß aus der Klasse der Neckarsaurier, Maassaurier, Fisch- und Schlangendrachen, Atlantosaurier, Zanklodonten und Iguanodonten „Segler der Lüfte“ hervorgegangen? Alle Flugdrachen besitzen einen vogelartigen Kopf mit langen dünnen Kiefern, die vermutlich an den Spitzen mit Horn überzogen waren, große Augen, ein überaus leichtes Skelett mit pneumatischen, das heißt lufterfüllten Knochen und einem sonderbaren Flugapparat, den wir bei keinem heutigen Flieger finden. Die Hinterfüße sind durchaus reptilienhaft gebaut, mit vier bis fünf Zehen, die zweifelsohne scharfe Krallen trugen. Die Vorderglieder haben je nach der Art drei oder vier oder fünf Finger, von denen der äußerste, also der „kleine“ ungeheuer lang, länger als der ganze Rumpf ist und die dünne, faltige Flughaut trägt, woher denn auch die zuerst bekannte Gattung den Namen „Flugfinger“, Pterodaktylus, erhalten hat. Wunderbarerweise ist eine solche Flughaut als Abdruck auf dem Gestein erhalten; sie stimmt in der Form mit einem Schwalben- oder Möwenflügel überein, hat also offenbar einem guten Segler angehört. Es gibt aber auch Arten mit breitem und kurzem Flügel, wahrscheinlich Strandbewohner, die sich von allerlei kleinen Wassertieren ernährt haben. Sie mögen sich in ihrer Ruhe reihenweise auf die Küstenfelsen gesetzt oder an die Bäume angehakt haben; wenn dann die Ebbe eingetreten, werden sie in schrägem Schwebeflug zum Strande herniedergeschwebt sein und die vom Meer zurückgelassene krabbelnde und zappelnde Beute eingeheimst haben.
Die Schnabelschnauzen zeichneten sich durch besonders große Augen aus, die wie bei den Fischdrachen durch einen Ring von Knochentäfelchen geschützt waren (Räderaugen). Die spitzen, ungleich langen Zähne sitzen in weiten Abständen in den Kiefern und sind nach vorn gerichtet. Der lange Schwanz ist von einer Scheide aus verknöcherten Sehnen umgeben und besitzt hinten eine flossenartige Verbreiterung. Mit seiner Hilfe konnte sich der Drache in die Höhe schnellen, außerdem diente er als Steuer.
Abb. 16. Dickschnäbelige Flugechse (Pterodaktylus).
Der Pterodaktylus hatte einen verkümmerten Schwanz und ziemlich dicken Kopf, der in einem rechten Winkel auf der Wirbelsäule saß. Manche Arten hatten nur die Größe eines Sperlings, andere die eines Geiers. Während die einen noch eine ähnliche Bezahnung wie die Schnabelschnauzen aufweisen, besitzen andere nur ganz winzige Zähnchen, und eine dritte Gruppe ermangelt der Bezahnung völlig; dies ist auch der Fall bei der Gattung Pteranodon, das heißt „Zahnloser Flieger“ (griechisch pteron: Flügel, pteros: geflügelt, a: kein, odon: Zahn). Damit erreichen die Flugechsen die höchste Ausbildung, denn das ganze Tier ist sozusagen nur noch Flugapparat. Die papierdünnen zahnlosen Kiefer bilden einen langen, sehr leichten Schnabel; der Hinterkopf ist in einen ebenso leichten spornartigen Kamm ausgezogen; alles übrige, Rumpf, Hinterglieder und Schwanz, ist sehr klein. Diese Segler aus der oberen Kreideformation von Kansas (Nordamerika) übertrafen die größten fliegenden Vögel, erreichten sie doch 6 bis 7 Meter Spannweite (der Kondor 3 Meter). Der Pteranodon war zweifelsohne ein wunderbarer Flieger und hat wohl den größten Teil seines Lebens schwebend in der Luft zugebracht. Schade, daß dieser Wunderdrache verschwunden ist.